Full text: (Band VII.)

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prominences). Schumacher, der diese Finsterniss in Wien beobachtete, wohin er in 
seinem 62sten Jahre gereist war, um doch wenigstens ein Mal in seinem Leben ein so 
seltenes Phänomen zu sehen, sagt darüber: „Auf den ersten Anblick glaubte man an 
drei Stellen des Mondrandes rothe Flammen hervorbrechen zu sehen, indess bemerkte 
man nach ein Paar Augenblicken ruhiger Betrachtung in diesen scheinbaren Flammen 
keine Bewegung. Sie erschienen vielmehr als zackigte, in hellem rosarothen Lichte 
strahlende Gipfel von Gletschern.“ Nachher werden sie kurz als Berge bezeichnet, 
ohne damit über ihr Wesen etwas bestimmen zu wollen. In der That wagte man 
bei der unerwarteten Erscheinung kaum eine Erklärung zu versuchen. Waren es 
wirklich Berge, so mussten sie nach der Abbildung beinahe von der Höhe des 14ten 
Theils des Sonnendurchmessers, oder Sonnenberge von 14 Tausend Meilen Höhe sein, 
während der höchste Berg der Erde nur etwa den 1700sten Theil des Erddurch 
messers , und die höchsten Mondberge, nach ihrem Schatten gemessen, den 400sten 
Theil des Monddurchmessers betragen. Viele andere Beobachter in Südfrankreich, 
Norditalien und Südrussland sahen dieselbe Erscheinung in ähnlicher Weise. Die ganze 
Dauer der Totalität war in Wien 1 Min. 57 Sec., in Lipezk dagegen 3 Min. 5 Sec. An dem 
letzteren Orte in Russland beobachtete 0. Struve und bemerkte über die Erscheinung 
der Corona: „Der Mond schwebte als schwarze scharf begrenzte Kugel am Firmamente, 
umgeben von einem blendenden hellen Scheine, der seine Strahlen nach allen Rich 
tungen normal zur Peripherie des Mondes aussandte. Die mittlere Breite dieses 
Scheines, der eine glänzend weisse Farbe hatte, schätzten beide Beobachter (Struve 
und Schidlowsky) auf ungefähr drei Viertel des Monddurchmessers, doch war er durch 
aus nicht scharf genug begränzt, um die Schätzung mit einiger Sicherheit auszuführen 
und zu einem Schlüsse zu gelangen, ob er concentrisch mit der Sonne oder mit dem 
Monde war. Sein Glanz war dabei so blendend, dass das unbewaffnete Auge ihn nur 
mit Mühe ertrug. Sein Aussehen veränderte sich fortwährend, indem er in einer 
beständigen Wallung begriffen war, wobei sich breite Strahlen von ihm aus auf 3 
bis 4 Grad über den Himmel erstreckten. Einzelne Strahlen mögen auch wohl eine 
noch bedeutendere Ausdehnung gehabt haben. Von einem Farbenspiele in der Nähe 
des Mondrandes oder durch die ganze Ausdehnung des Ringes .wurde mit dem unbe 
waffneten Auge keine Spur bemerkt. Die Intensität des Ringes war in der Nähe des 
Mondes eine gleichförmige und nahm erst weiter nach aussen rasch ab. Mehrere 
wohlunterrichtete Zuschauer glaubten in dem Ringe einen nachgebliebenen aber 
schwächer erleuchteten Theil der Sonne selbst zu erkennen.“ — In Bajan-Aül dagegen, 
wo die Finsterniss nicht ganz vollständig total war, beobachtete der Stabsarzt Stopoff, 
als die Sonne bis auf einen untern sehr schmalen sichelförmigen Saum bedeckt war, 
nach oben einen farbigen Ring aus grellen verschiedenartigen Strahlen in beständiger 
wallender Bewegung. Die Strahlen waren nicht gerade auslaufend, sondern bogen 
förmig sich kreuzend und von verschiedener Farbe. (Astr. Nachr. Bd. 20.)
	        
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