Full text: (Band VII.)

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Die über die Wiederbesetzung einiger der erledigten Stellen zum Theil schon seit längerer 
Zeit gepflogenen Verhandlungen werden hoffentlich bald zu einem erwünschten Ziele fuhren. 
Die Zahl der Studirenden hat sich in dem verflossenen Jahre etwas veigrössert, sie betrug 
154 und 169 (170). 
In Beziehung auf den Fleiss, soweit sich derselbe aus dem Besuche der Vorlesungen erkennen 
lässt, ist ein Unterschied gegen die vorhergehenden Semester nicht zu bemerken gewesen, indem 
fast genau dasselbe Verhältniss wie es im letzten Berichte (S. 76) angegeben wurde, stattgefunden 
hat, dass nämlich durchschnittlich von jedem Studirenden 4 Vorlesungen gehört wurden. 
Dagegen hat leider wegen Verstosses gegen gute Disciplin öfters Verwarnung und Carcer 
strafe verhängt werden und am Schlüsse des Rectoratsjahres sogar die schwere Strafe der Consili- 
rung ausgesprochen werden müssen, eine Strafe die bisher glücklicherweise hier selten vorkam und 
zum letzten Male im Jahre 1852 verfügt wurde. Möge nach dieser nothwendig gewordenen Strenge 
der frühere im allgemeinen befriedigende Zustand der Disciplin wieder hergestellt sein. 
Wie schon im letzten Berichte der Zeit vorgreifend die Nachricht gegeben wurde, ist die 
lang gehegte Hoffnung, dass der Bau neuer Heilanstalten definitiv genehmigt werde, im Jahre I860 
endlich in Erfüllung gegangen. 
Das Ministerialrescript, welches diese wichtige Mittheilung enthielt, ist zwar dem akademischen 
Consistorio nicht zugegangen, sondern dem Vernehmen nach unter dem 19. April 1860 den ein 
zelnen Direktoren der Krankenanstalten, indessen erhielt das Consistorium unterm 9. Juni durch 
das Königl. Curatorium die Anzeige von der Genehmigung des Neubaues sowie von der Bestellung 
einer Commission zur Wahrnehmung der bezüglichen Geschäfte. Diese Geschäfte sind denn auch 
mit solcher Energie geführt worden, dass es trotz der beim Beginn des Baues schon weit vorge 
rückten Jahreszeit dennoch gelungen ist, die beiden Hauptgebäude noch im Jahre 1860 unter Dach 
zu bringen (das Richtfest der Bauarbeiten wurde am 12. Decbr. 1860 gefeiert), und ausserdem ein 
kleines Gebäude bis zum ersten Stock herauszuführen. Es kann hiernach sicher erwartet werden 
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dass im Jahre 1681 der ganze Neubau beendet wird und Anfangs 1862 die neuen Anstalten bezogen 
werden können. 
Somit rückt uns der Zeitpunkt nahe, in welchem an die Befriedigung der übrigen dringenden 
Baubedürfnisse der Universität gedacht werden darf und werden dahin zielende Anträge rechtzeitig 
der höheren Entscheidung vorgelegt werden. v 
Möge es für diese Pläne von günstiger Vorbedeutung sein, dass der Herr Curator sogleich 
beim Antritte seines neuen Amtes dem wichtigsten Baminternehmen der Universität seine kräftige 
Förderung angedeihen lassen konnte, und möge es ihm bestimmt sein, während seiner Amtsführung 
in gleicher Weise die übrigen für die Universität noch nothwendigen Bauten ausgeführt zu sehen. 
Die Bereicherungen der einzelnen Universitätsinstitute, sowie die an denselben ausgeführten 
Arbeiten theilen die Vorsteher in ihren weiter unten abgedruckten Berichten mit. 
Die Beneficien und Stipendien wurden in der üblichen Weise vertheilt, worüber das Nähere 
in dem weiter unten folgenden III. Abschnitt der Chronik angegeben ist. 
Zwei Stiftungen, welche in früheren Jahren der Universität zugesichert worden waren, sind 
derselben im Laufe des Jahres 1860 zugefallen: das Schübler’eche Legat und die Kamla’ache Stiftung. 
Der Apotheker Justizrath Schüller hatte der Universität zwei Vermächtnisse zugewendfet, 
jedes im Kapitalbetrage von 10666| Rthlr. R.-M, von denen das eine, zum Besten des akademischen
	        
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