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Allgemeine Nachrichten.
II. Abt. V.
Militärpflichtige haben sich vom IS. Januar bis i. Februar
des Jahres, in welchem sie das 20. Lebensjahr vollende», zur
Aufnahme in die Relrulierungsstammrolle anzumelden, Auber-
halb Kiels Geborene haben eine standesamtliche Geburtsurkunde
beizubringen. Für zur See oder im Auslande Abwesende sind
die Eltern, Vormünder, Lehr-, Brot- oder Fabrikherren zur
Anmeldung verpflichtet. Bei den späteren Meldungen von und
zu der Stannnrolle ist der bei der ersten Musterung den Pflichtigen
behändigte Losunasschcin vorzulegen.
Militärpflichtige, welche ihren Wohnort im Laufe des Jahres
wechseln, haben innerhalb dreier Tage sich von neuem anzumelden.
Bersäuinnis dieser Meldungen wird mit Geldstrafe bis zu
so M oder Haftstrafe bis zu drei Tagen bestraft.
Die Anmeldung zur Stammrolle ist solange zu wiederholen,
bis über den Militärpflichtigen endgültig entschieden ist.
(Meldungen für stiel tut Bureau des 'tivilvorsitzcndeu
der ErsaUkommission im Polizcidicnstgebäude, Blutncn-
ftraflc Eingang Portal IN, — an der Wilheltnincnstraflc.)
Wer den Betrieb eines stehenden Gewerbes anfängt,
muß davon vorher oder spätestens gleichzeitig mit dem Be
ginne des Betriebes dem Getncindcvorstand deS OrtcS, wo
solches geschieht, schriftlich oder zu Protokoll Anzeige machen.
Dieselbe Verpflichtung trifft auch denjenigen, welcher
a) das Gewerbe eines andern übernimmt und fortsetzt,
d> neben seinem bisherigen Gewerbe oder an Stelle desselben
ein anderes Gewerbe anfängt.
Gewerbetreibende, welche an mehreren Orten in Preußen
einen stehenden Betrieb unterhalten, haben an jedem Orte, wo
solche« geschieht, den Ansang des einzelnen Betriebes anzumelden.
DaS Aufhören eines steuerpflichtigen Gewerbes ist dem
Vorsitzenden des für die Veranlagung zuständigen Tieucr-
auSschnsscS anzuzeigen.
(Meldungen für stiel im städtischen PcrsoncnstandS-
burcan, Dammstrastc !i a 5.)
Von der Eröffnung folgender Gewerbe ist nach ß ss der
Gewerbeordnung austerdem dem Kgl. Polizeipräsidium An
zeige zu erstatten:
Erteilung von Tanz-, Turn- und Schwiinmunterricht,
Betrieb von Badeanstalten, Trödelhandel, Handel mit Dynamit
usw., Losen usw., Drogen usw. und Vieh.
Besorgung fremder Rechlsangelegenheiten, Abfassung von
Eingaben an Behörden.
Auskunfts-Bureau.
Vermittelung von Grundstück-Verkäufen.
Geschäfte eines Auktionators.
Kleinhandel mit Flaschenbier.
Gewerbsmäßige Berinittlung von Darlehen und Heiraten.
Denjenigen, welche gewerbsmäßig das Geschäft eines
Auktionators betreiben, ist cs verboten, Immobilien zu ver
steigern, wenn sie nicht von den dazu befugten Staats- und
Kommunalbehörden als solche angestellt sind.
Gcrieen.
Auszug aus der Polizeiverordnnnq vvm 1. Sep
tember 1910 betreffend die Kieler Droschken.
1. Die nachstehenden Tarisbestimmungen beziehen sich auf
das Stadtgebiet Kiel sowie die Gemeindebezirke Kronshagen,
Holtenau und Neumühlen-Dietrichsdorf.
Fahrten nach anderen Orten außerhalb des Stadtgebietes
Kiel auszuführen, sind die Droschkenkutscher nicht verpflichtet.
Der Fahrpreis nach diesen Orten unterliegt der freien Verein
barung. Diese hat der Droschkenkutscher vor Antritt der Fahrt
unaufgefordert mit dem Fahrgast zu treffen. Bei Unterlassung
einer solchen gelangt die Taxe für das Stadtgebiet Kiel zur
Anwendung.
2. Für ein Kind unter io Jahren in Begleitung Erwachsener
ist Fahrgeld nicht zu entrichten. Zwei Kinder unter io Jahren
gelten in diesem Falle einer, drei oder vier Kinder unter
io Jahren gelten zwei erwachsenen Personen gleich.
Dle Beförderung von mehr als s, in Kraftdroschken von
mehr als 4 erwachsenen Personen oder der entsprechenden Anzahl
von Kindern ist verboten.
Nur zweispännige, viersitzige Droschken können bis o er
wachsene Personen befördern.
3. Tarn s»r Droschken ohne Fahrpreisanzeiger.
Die Berechnung der Taxe erfolgt nach der Zeit und sind zu
zahlen innerhalb de« Stadtgebietes sowie bei Fahrten nach den
Gemeindebezirken Kronshagen, Holtenau und Neumühlen-
Dietrichsdorf :
Personen
Für eine Fahrt bis zur Dauer von io ÜJiin. M 0.70 0.90 1.10
Für jede weiteren begonnenen io Min. Jf \ 0.30 0.40 | 0.60
Bei Nachtzeiten-> ist der doppelte Fahrpreis zu zahlen.
Wenn sich während einer Fahrt die Zahl der Fahrgäste in
einer aus die Hohe des Fahrgeldes einwirkenden Weise ändert.
*) Die Nachtzeit umfaßt vom i. April bis so. September
die Zeit von 11 Uhr abends bis 0 Uhr morgens, vom i. Oktober
bis 3i. März die Zeit von n Uhr abends bis 7 Uhr morgens.
so ist die gestiegene Anzahl der Fahrgäste vom Beginn der
laufenden io Minuten, die verminderte Anzahl vom Beginn der
nächsten io Minuten an der Berechnung der Taxe zttgrunde zu
legen.
' Eine vor n Uhr abends oder vor « oder 7 Uhr morgens
begonnene Fahrt ist jedoch zur einfachen Taxe zu berechnen,
wenn sie vor ii Uhr io Minuten abends beendet wird oder nach
s Uhr so Minuten oder s Uhr so Minuten morgens begonnen hat.
4. Die Berechnung der Zeit beginnt, soweit nicht nachstehend
anderes besttmint ist, von dem Augenblick an, in welchem die
Droschke durch den Fahrgast genommen wird und endet mit
dem Verlassen der Droschke seitens desselben.
Der Droschkenfllhrer hat dem Fahrgast sofort bei Beginn
der Fahrt unaufgefordert seine richtiggehende Uhr vorzuzeigen
und die Zeit anzusagen, sowie ebenso bei Beendigung die ver
brauchte Zeit nachzuweisen.
Unterläßt dies der Droschkenführer, so ist im ersteren Falle
die Angabe des Fahrgastes über die verbrauchte Zeit ohne
weiteres als richtig anzunehmen, im letzteren dagegen unter
allen Umständen nur das Fahrgeld für eine Fahrt von io Minuten
Dauer zu entrichten. Die gleiche Bestimmung gilt, falls die Uhr
des Droschkenführers erheblich unrichtig geht.
5. Tarif für Droschken mit Fahrpreisanzeiger.
Die Droschke leistet bei
Beförderung
Für die Grund
taxe von so 4
Für je fernere
10 4
Von i bis s Personen ain Tage
Von 3 bis s Personen am Tage
Von i bis s Personen nachts
Für Wartezeit bei Tag ui
Haupt Zahlung zu leisten ist,
für alle drei Tarstufen vor P
00 4, im übrigen aber bei a
4 Minuten 10 4.
6. Tarif für
I. Einfache Taxe
bis 800 m 1 bis 400 m
Wegestrecke | Wegestrecke
II. Erhöhte Taxe
bis «00 m I bis 800 m
Wegestrecke | Wegeftrecke
III. Doppelte Taxe
bis 400 m I bis 200 m
Wegeftrecke | Wegeftrecke
d Nacht, soweit für solche über-
berechnet der Fahrpreisanzeiger
eginn der Fahrt für 8 Minuten
len Fahrten für je angefangene
Kraftdroschken.
Die Kraftdroschke leistet bei
Beförderung
Für die Grund-
taxe von 80 4
Für je fernere
iv 4
Von i bis 2 Personen am Tage
Von 3 bis 4 Personen am Tage
Von i bis 4 Personen nachts
I. Einfache Taxe
bis soo m ! bis sov m
Wegeftrecke \ Wegestrecke
II. Erhöhte Taxe
bis 400 m > bis 200 m
Wegestrecke | Wegestrecke
III. Doppelte iTaxe
bis soo m ! bis iso m
Wegeftrecke > Wegeftrecke
7. Der Droschkenführer ist verpflichtet, jede Fahrt auf dein
kürzesten Wege und in einem Trabtempo von durchschnittlich
ioo m in der Minute auszuführen, insoweit nicht der Fahrgast
einen anderen Weg oder eine langsaniere Gangart bestiinint
oder erhebliche Steigungen, die Beschaffenheit der Straßen und
Wege, polizeiliche Vorschriften usw. hindernd entgegenstehen.
Auch unter Berücksichtigung gefahrener Straßenftcigungen
von erheblicherer Art, wie sic in der hiesigen Stadt vereinzelt
vorhanden sind, muß jedenfalls die Fahrtgeschwindigkcit eine
derartige sein, daß in der Viertelstunde durchschnittlich mindestens
eine Strecke von 2080 m zurückgelegt ivird. Bergauf und bergab
kann Schritt gefahren werden.
s. Innerhalb des Stadtgebietes und bei Fahrten nach dein
Friedhof Eichhof ist für Rückfahrten mit unbesetztem Wagen ein
Fahrgeld niemals zu entrichten. Im übrigen ist für die etwaig^
Rückfahrt des Fahrgastes nach dem Ausgangspunkt der Fahrt
die volle Taxe zu zahlen.
Bei Fahrten nach den außerhalb des Stadtgebietes liegenden
Gemeindebezirken Kronshagen, Holtenau und Neumühlen-
Dietrichsdorf ist für die Rückfahrt mit unbesetztem Wagen die
Hälfte des Fahrpreises, bei Fahrten nach entfernteren Orten
der volle Fahrpreis zu bezahlen.
s. Wird eine Droschke von der Stelle, wo sie sich befindet,
nach einem anderen Punkte hin zur Ausführung einer Fahr-
bestellt oder abgeholt, so ist der Droschkenfllhrer verpflichtet, die
hierzu erforderliche Fahrt bis zu einer Entfernung von 8vo ist
gleich einer ungefähren Fahrzeit von 5 Minuten im Trabtemp"
unentgeltlich zu leisten und den Besteller auf Verlangen bis ä 11
dieser Entfernung unentgeltlich mitzunehmen.
Bei vorausbestellten Fahrten unterliegt die Entschädigung
für die Anfahrt in erster Linie der Vereinbarung: wird keim
Vereinbarung getroffen, so beträgt die Entschädigung bei Tag-
Und bei Nacht so 4.
Für eine Wartezeit bis zur Dauer von 0 Minuten vor Be
ginn der Fahrt kann Bezahlung nicht beansprucht werden. ..
Bei Fahrten von dem Bahnhof ist für die zur Herausga--
und Hcrbeischaffung des Gepäcks erforderliche Wartezeit bis zu-
Dauer von io Minuten Bezahlung nicht zu entrichten.

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