Full text: Adreßbuch der Stadt Kiel und Vororte 1911 (1911)

II. Abt. V. 
83 
V. Allgemeine Nachrichten. 
Standesamtsulekmilge». 
Geburten sind binnen 7 Tagen, die Angabe der Vor 
kamen des.»indes binnen 2 Monaten nach der Geburt desselben, 
Todesfälle spätestens am nächsten Werltage beim Standes 
amt zur Anzeige zu bringen. 
Polizeiliche Meldepflicht. 
Megierungs-Polizeiverordnung vom 20./12. 04; Ortspolizei- 
Verordnung vom 10./6. 09.) 
Ausführungsanweisung. 
m Inhaltlich der vorstehenden Poltzeiverordnungen besteht im 
Poltzctbezirk Kiel eine Verpflichtung zur Anmeldung, Ummeldung 
Und Abmeldung. 
I. Anmeldung. 
Anmeldepflichtig ist bezw. find: 
a) wer innerhalb des Polizeibeztrks Kiel scnicn Wohnsitz 
oder dauernde» Aufenthalt nimmt, 
d) wer sich vorübergehend im Poltzetvezirk Kiel zu Er 
werbs-, Erztehungs-, Ausbtldungs- oder Kurzwecken 
länger als eine Nacht aushält lz. B. Schüler, Studenten, 
kranke, die eine Heilanstalt aufsuchen oder sich in Privat 
pflege befinden), 
c) wer sich besuchsweise länger als 1 Monat in einem 
hiesigen Haushalte aufhält. 
Ersolgt jedoch die Aufnahme gegen Entgelt, so 
tritt die Anmeldepflicht schon nach einem Aufenthalt von 
mehr als einer Nacht ein, 
d) sogenannte „Saisonarbeiter" (§ 4 der Regierungs- 
Polizetverordnung). 
Die Anmeldungen zu a—d haben binnen 6 Tagen 
nach dem Anzug zu erfolgen. 
Besonders anzumelden find 
e) Retchsansländcr. 
Diese sind binnen 24 Stunde» »ach dem Anzug 
meldcpflichtig, sofern der Aufenthalt länger als eine 
Nacht dauert. 
, Die Verpflichtung zur Anmeldung haben nicht nur die vor. 
stehend bezeichneten Personen selbst. 
. Wie aus den KZ 6 und 7 der Verordnung sür den Polizet- 
"ezirk Kiel hervorgeht, besieht noch eine besondere Meldepflicht: 
^ 1. für diejenigen Personen, welche den Meldepflichtigen 
Aohnung, Untertommen oder Obdach gewähren, sofern sie sich 
Acht vor Ablauf der Meldepflicht von der erfolgten Meldung 
Überzeugt haben; 
2. für die Leiter von Krankenhäusern, Irrenanstalten, Armen- 
Aüstalten und ähnlichen Instituten hinsichtlich der aufgenommenen 
Personen. 
„ 8 s der Verordnung bestimmt: Aktive Milttärpersonen sind 
"Nr für ihre Person nicht meldepflichrig, doch sind, insoweit 
ste nicht in Kasernen, Kriegsschiffen, Lazaretten oder sonstigen 
Milttärfiskalischen Grundstücken, sondern in Privatquarticre» 
Mohnen, die im jj <> bezeichneten Personen zur An- und Ab 
meldung der bei ihnen wohnhaften Milttärpersonen innerhalb 
"er durch die Regterungs-Polizeivcrordnung vom 20./12. 04 und 
M Poltzeiverordnung über das Meldewesen im Poltzetbeztrk 
"el vom lo./o. o» vorgeschriebenen Fristen verpflichtet. 
Form der Anmeldung. 
Die Anmeldung hat schriftlich in zwei Stücken des vorge 
schriebenen, rosafarbenen „Anmeldescheins" zu erfolgen, und 
«war in der Stadt Kiel im Amtsraum des Polizetrcvierö, 
!» dessen Bezirk Wohnung oder Aufenthalt genomnien wird, in 
»bn Gemeinde- oder Gntsbczirken des Polizeibezirks im 
M^intsrann, der Polizeiwache dieser Orte. 
»>, .Eine Anmeldebeschetntgung wird erteilt, wenn der sich 
-bildende sich hinsichtlich seiner Persönlichkeit durch Abmelde- 
^Icheintgung seines bisherigen Wohnorts oder durch sonstige 
bSttimattonspapiere hinreichend ausweist. 
... Die Verpflichtung des sich Meldenden, sich über seine 
jxbbsviisjchfeit und seine Stcuervertzältnifse auszuweisen, 
"btv t^°" e bbzw. 5 der beiden Poltzetverordnungen besonders 
Für die von den Anstaltsleitern einzureichenden Meldungen 
"Nnen Listen der bisher gebräuchlichen Art, welche den Namen, 
?w>nd und den bisherigen Wohn- oder Aufenthaltsort des Auf- 
Moinmenen enthalten, auch weiterhin verwendet werden. 
j-'"e Liften sind auch aus den ländlichen Bezirken dein Köntg- 
chen Polizei-Präsidium direkt einzureichen. 
Da die gemäß Verordnung vom 17. April I8il bestehende 
us!fi"^ldevcrpNichtung der Gast- und Herbergswirtc auch fernerhin 
Unberührt bleibt, so behält es auch bet der bisherigen Form der 
>ung der Fremdenltsten sein Bewenden. 
II. Ummeldnnfl. 
^oder Ausenthaltswechsel innerhalb des Stadt- 
w^sks Kiel öder innerhalb eines zum Polizctbezirk lticl gehörigen 
klnetnde- oder Gutsbezirkes ist gleichfalls schriftlich in zivei 
Stücken des amtlich eingeführten weißen „Ummeldeschetns" 
binnen s Tagen anzumelden. Die Meldung ersolgt im 
Stadtbezirk stiel im AmtSraum desjenigen Polizeireviers, 
in dem die ncnbczogcnc Wohnung liegt, in den Gemcinde- 
und Gntsbezirke» des Polizetbsztrks Kiel im Amtsraum der 
Polizeiwache dieser Orte. 
Zu beachten ist, daß diese Art der Meldung nur bet Umzügen 
innerhalb der einzelnen Gemeinde- oder Gutsbezirle zulässig ist, 
daß dagegen bei dem Umzug von einer Gemeinde des Polizei- 
bezirks Kiel in eine andere die gemäß §§ i und 2 der Negierungs- 
Polizeiverordnung vorgeschriebene Ab- bezw. Anmeldung zu 
erfolgen hat. 
Auch hier besteht die im § 6 der Polizetverordnung vom 
io./s. lsog angeführte Meldeverpflichtung der Wohnungsgeber 
neben der des Umziehenden. 
III. Abmeldung. 
Wer seinen Wohnsitz oder dauernden Aufenthalt im Stadt 
bezirk Kiel oder einem Guts- oder Gemciudebeztrt des Polizei- 
bezirks Kiel aufgibt, hat sich und die zu seinem Hausstand ge 
hörigen Personen vor dem Abzug, spätestens aber am i». Tage 
danach schriftlich abzumelden. 
Die Meldung hat in zwei Stücken des amtlich eingeführten 
grünen „Abmeldescheins" zu erfolgen, und zwar im Stadt 
bezirk Kiel im Amtsraum des Polizeireviers des aufge 
gebenen Wohnsitzes oder Aufenthaltes, in den Gemeinde- oder 
Gntsbezirke» im Aintsra»», der Polizeiwache dieser Orte. 
Ueber die erfolgte Abmeldung wird eine Abmeldcbe- 
schcinigung erteilt, wenn der Abziehende sich hinreichend über 
seine Person ausweist. 
Es wird empfohlen, sich eine solche Bescheinigung ausstellen 
zu lassen, da eine solche am neuen Wohnort verlangt wird. 
In Ermangelung einer Meldung des Verziehenden ist auch 
hier der Wohnungsgeber zur Meldung verpflichtet. 
Zum cinjährig-frctwillige» Militärdienst sind Meldungen 
behufs Zulassung zur Prüfung im allgemeinen frühestens nach 
vollendetem 17. Lebensjahre und spätestens bis zum t. Februar 
des Jahres, in welchem der Bewerber das 20. Lebensjahr voll 
endet hat, bei der Prüfungskommission für den Aufenthalt an 
zubringen. 
Gesuchsanlagen: a> Geburtsschein, b> Einwilligung des ge 
setzlichen Vertreters mit der Erklärung *), daß für die Dauer 
des einjährigen Dienstes die Kosten des Unterhalts, mit Einschluß 
der Kosten der Ausrüstung, Bekleidung und Wohnung, von dem 
Bewerber getragen werden sollen; statt dieser Erklärung genügt 
die Erklärung des gesetzlichen Vertreters oder eines Dritten, daß 
er sich dem Bewerber gegenüber zur Tragung der bezeichneten 
Kosten verpflichte und daß, soweit die Kosten von der Militär 
verwaltung bestritten werden, er sich dieser gegenüber sür die 
Ersaypfltcht des Bewerbers als Selbstschuldner verbürge; c) ein 
Unbescholt enhettszeugnis, welches für Zöglinge von höheren 
Schulen durch den Direktor der Lehranstalt, für alle übrigen 
jungen Leute durch die Polizeiobrtgkeit oder ihre vorgesetzte 
Dienstbehörde auszustellen ist. 
Die Unterschrift des gesetzlichen Vertreters oder des Dritten, 
sowie die Fähigkeit des Bewerbers, des gesetzlichen Vertreters 
oder des Drillen zur Bestreitung der Koste» ist obrigkeitlich zu 
bescheinigen. Uebernimmt der gesetzliche Vertreter oder der 
Dritte die in dem vorstehenden Absätze bezeichneten Verbindlich 
keiten, so bedarf seine Erklärung, sofern er nicht schon kraft 
Gesetzes zur Gewährung des Nnterhalls verpflichtet ist, der ge 
richtlichen oder notariellen Beurkundung. 
Sämtliche Papiere sind im Original einzureichen. Außerdem 
bleibt die wtssenfchaflliche Befähigung für den einjährig-frei 
willige» Dienst noch nachzuwctsen. Dies kann entweder durch 
Beibringung von Schulzeugnissen oder durch Ablegung einer 
Prüfung vor der Prüfungskommission geschehen. 
Der Meldung bei der Prüfungskommission sind daher ent 
weder: 
a) die Schulzeugnisse, durch welche die wissenschaftliche Be 
fähigung nachgewiesen werden kann, beizufügen; oder 
d) es ist zu erwähnen, daß dieselben nachfolgen, in welchem 
> Falle die Einreichung bis zum i. April ausgesetzt werden 
darf: oder 
c> es ist in der Meldung das Gesuch um Zulassuna »ur 
Prüfung auszusprcchen. In diesem Falle ist ferner an 
zugeben, in welchen zwei fremden Sprachen der Nck 
Meldende geprüft sein will. J ^ 
Beim Eintritt in das inilitärpflichtige Alter, d. i am 
t. Januar des Jahres, in dem das 20. Lebensjahr vollendet 
wird haben sich die zum einjährig-freiwilligen Dienst Be 
rechtigten, sosern sie nicht schon vorher zum aktiven Dienst ein 
getreten sind, unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines zu 
melden und ihre Zuruckstellung von der Aushebung zu beantragen. 
Z. Bei Freiwilligen der seemännischen Bevölkerung genügt 
die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.