Full text: Adreßbuch der Stadt Kiel und Vororte 1911 (1911)

II- Abt. III. B. 
Kirchen-, Schul- und Medizinalwesen. 
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zum Schulbesuch nur bis zur Vollendung des 18. 
Lebensjahres verpflichtet, sofern sie nicht nachweisen, 
daß sie die Kenntnisse und Fertigkeiten besitzen, die 
als Endziel der Anstalt gelten. Die Anmeldung 
hat spätestens 6 Tage nach Antritt der Stellung als 
gewerblicher Arbeiter zu erfolgen, auch wenn die 
Beschäftigung zunächst nur eine probeweise ist. 
Schulgeld. 
Es sind halbjährlich im voraus zu zahlen: 
Bon Pflichtschülern für 1—10 Unterrichtsst. 2,80 M 
„ freiwilligen Schülern 1—10 „ 8,00 „ 
Daneben ist für mehr als 10 Stunden wöchent 
lichen Unterrichts folgender Zuschlag zu entrichten: 
für 
11—16 Stunden . . • 
. . 3 M 
17—24 
6 „ 
» „ 
25-34 „ ... 
. > 9 „ 
35-46 „ ... 
. - 12 „ 
„ 
47 und mehr Stunden 
• • 15 „ 
Dauern die Kurse nicht länger als 3 Monate, so 
ist die Hälfte der Sätze zu entrichten. 
Schüler, die im Stadtkreis Kiel weder wohnen 
noch beschäftigt sind, haben den U/efachen Betrag 
des Schulgeldes zu entrichten. 
Auf Grund des Ortsstatuts vom 8. März 1910 
haben die Arbeitgeber für jeden der zum Besuch der 
gewerblichen Fortbildungsschule verpflichteten Arbeiter 
(Lehrling usw.) zur Unterhaltung dieser Schule einen 
Beitrag von 8 M jährlich zu entrichten. 
2. Städtische Handwerkcrschnle 
(mit kunstgewerblichen Fachklassen). 
Direktor: Or. Heyn. — Lehrer: Jochem, Architekt; 
Zimmermann, Dekorationsmaler. 
Zweck: Ausbildung zur Wahrnehmung selb 
ständiger Stellungen (Vorarbeiter, Polier, Werkmeister, 
Techniker usw.), insbesondere auch Vorbereitung zur 
Meisterprüfung. Für die Angehörigen aus dem 
Maschinen- und Schiffbau wird nur die Vorbereitung 
für die Aufnahme tn die Abend- und Sonntags 
abteilungen der König!, höheren Schiff- und Ma 
schinenbauschule geboten. 
Abteilung I. Abend- und Sonntagsschule, 
die an den Abenden der Werktage und am Sonntag 
vormittags Unterricht bietet. 
Lehrfächer: A. Fachliches Zeichnen, insbe 
sondere Werkzeichnen, gegebenenfalls einschl. Entwerfen 
für Bildhauer, Buchbinder, Buchdrucker, Chemi- 
graphen, Dekorateure, Graveure, Gold- und Silber 
schmiede, Konditoren, Lackierer, Lithographen, Maler, 
Musterzeichner, Photographen, Schriftsetzer, Stein 
drucker, Stukkateure, sowie für Schneider und Schuh 
macher; ferner für Böttcher, Büchsenmacher, Dachdecker, 
Drechsler, Elektrotechniker, Former, Gärtner, Geometer, 
Gelbgießer, Glaser, Installateure, Instrumentenmacher, 
Klempner, Kessel- und Kupferschmiede, Maschinen 
bauer, Maurer, Mechaniker, Messerschmiede, Metall 
dreher, Modelltischler, Ofensetzer, Sattler, Schiffbauer 
und -zimmerer, Schlosser, Schmiede, Schornsteinfeger, 
Steinhauer, Steinsetzer, Stellmacher, Tapezierer, 
Tiefbauer, Tischler, Töpfer, Uhrmacher, Zimmerer, 
Zinngießer, Ziseleure usw., auch Schattenlehre und 
Perspektive, ferner Zeichnen im Freien und im Museum. 
Aktzeichnen usw. 
B. Praktischer Unterricht: Modellieren 
sn Ton und Plastilin, einschl. Aktmodellieren, sowie 
Abgießen und Formen für Ziseleure und Gürtler, 
Gold- und Silberarbeiter, Graveure, Kunstschlosser, 
Modelleure im Baufach, Steinhauer und Töpfer; 
Schnitzen, insbesondere für Bildhauer und Tischler; 
Flechten, Perückenmachen und Schminken für Friseure ; 
Dekorationsmalen, Schriftenmalen, Bleiverglasen, 
Alerkstattunterricht für Schuhmacher, Schneider, 
Schlosser, Klempner, Tischler, Tapezierer usw. 
C. Ergänzungsfächer: Zierschrift, Raumlehre 
(Planimetrie und Stereometrie), Algebra, Trigono 
metrie, Mechanik, Festigkeitslehre, Naturlehre, Ge 
schäftskunde, Gesetzeskunde, Buchführung, Kosten 
berechnung ; ferner Formenlehre, Kunstgeschichte, Ge 
werbe- und Bürgerkunde usw. 
Abteilung II. Tagesschule, welche vor- und 
nachmittags an den Werktagen Unterricht bietet. 
Lehrfächer der vorläufig bestehenden Fach 
klassen : 
a) für Maurer, Zimmerer und verw. Gewerbe, 
d) für Tischler, Drechsler und verw. Gewerbe, 
c) für Schlosser, Schmiede, Klempner und verw. 
Gewerbe, 
ä) für Maler, Bildhauer und verw. Gewerbe, 
betreffen A. Fachliches Zeichnen, B. Praktischen 
Unterricht und C. Ergänzungsfächer, wie bei der 
Abteilung I, nur daß der zur Verfügung stehenden 
Zeit wegen der Unterrichtsstoff der einzelnen Lehr 
fächer an der Tagesschule noch umfangreicher ist und 
eingehender durchgearbeitet werden kann. 
Aufnahme für die Handwerkerschule finden nur 
solche Schüler, welche das Lehrziel der gewerbl. 
Fortbildungsschule erreicht haben. Nach Möglichkeit 
werden für ältere Schüler besondere Kurse gebildet. 
Die Angehörigen des weiblichen Geschlechts werden, 
foweit die Vorbildung es gestattet, zugelassen. 
Schulgeld für Abteilungen I und II: 
Es sind bei der Anmeldung zu zahlen für jedes 
Schulhalbjahr: 
bei Mitnahme von 1—10 Std. wöchentlich 6 M 
11-10 ,, .. 9 .. 
17-24 „ „ 12 „ 
„ „ „ 25—34 „ „ 15 „ 
35-46 .. „ 18 „ 
„ „ „ 47 u. mehr Std. „ 21 „ 
3. Städtische Zeichenschnlc für Schüler allgemein 
bildender Lehranstalten (Vorschule). 
Zweck: Vorbereitung für höhere Stufen im 
Zeichnen der gewerblichen Fortbildungsschule. 
Lehrfächer: Freihand-, geometrisches und Pro 
jektionszeichnen. 
Aufnahme finden Schulpflichtige, auch solche, 
welche später nicht gerade die gewerbliche_ Fort- 
bildungsfchule besuchen wollen; der Besuch ist ein 
freiwilliger. 
Das Schulgeld beträgt 3 M halbjährlich und ist 
sofort bei der Anmeldung zu entrichten. 
Für alle drei Schulen besteht eine gemeinsame 
Geschäftsstelle (Wilhelminenstr. 32/34, F. 520,. 
Vorsteher: Stadtsekr. Lau. 
VI. Städtische Mädchtn-iFortdilduilgsschule. 
1. Schule im Norden: Gerhardstr. 12 (Schulhof,. 
Leiterin: Frl. M. Hiß. 
2. Schule im Süden: Schule am Schützenwall. 
Leiter: Rektor Fr. Doormann. 
Der Unterricht umfaßt: Deutsch, Rechnen und Haus 
haltungskunde, Kochen, ^llaschinennähen, Plätten, 
Stopfen, Flicken, im 2. Schuljahr Schneidern und 
Buchführung. — Alle Schülerinnen verpflichten sich, 
wöchentlich an 8 Unterrichtsstunden teilzunehmen 
und zahlen dafür halbjährlich 5 Jt Schulgeld und 
für das Kochen 8 M pränumerando. Die Teilnahme 
an einem Kursus in Fröbelscher Erziehungs- und 
Beschäftigungslehre wird besonders mit 3 M 
berechnet. 
VII. Private Schulen. 
Frauengewerbeschule. 
(Fährstr. 23., 
Sprechstunden der Vorsteherin: an den Wochentagen 
von 11—1 Uhr.
	        

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