Full text: (Band V.)

als dicere oder dicere: spondeo ; von einer Beziehung auf den Eid hätten sie Nichts 
erfahren, daran gar nicht denken können. 
Aber es lässt sich auch aus der Frage selbst, die Livius behandelt, zeigen, 
dass der ihm untergelegte Gedanke ihm nicht in den Sinn kommen konnte, ja • 
mehr noch — dass er mit sponsio den Gegensatz zum Eid und dessen precatio be 
zeichnen wollte. 
Es darf, wie schon gesagt, als ausgemacht angesehen werden, 23 ) dass über 
die pax Caudina kein officielles Aktenstück vorlag, eben weil der Vertrag vom Senat 
nicht genehmigt worden, dass Alles, was darüber bekannt war, aut unsichrer münd 
licher Tradition beruhte. 'Eben deshalb konnte es Livius wagen, der herrschenden 
Meinung entgegenzutreten; es fehlte an allem sicheren Anhalt für Einzelheiten jener 
Begebenheit. Das Unsicherste dabei mussten natürlich für die Zeitgenossen des 
Livius die damals, drei Jahrhunderte vor ihrer Zeit, gebrauchten einzelnen Worte 
sein. Wie konnte es also dem Livius in den Sinn kommen, aus den Worten der 
precatio zu argumentiren und statt vom Sicheren auf das Ungewisse zu schliessen, 
vielmehr in dem zweifelhaftesten, unsichersten Theile seinen Stützpunkt zu suchen? 
Das hätte er aber gethan, wenn er hätte sagen wollen, die pax Caudina sei deshalb 
kein foedus gewesen, weil die dabei gebrauchte precatio anders gelautet habe, als 
bei einem foedus üblich, nämlich auf einzelne Personen, 24 ) nicht auf das ganze 
Volk. Wie hätte er das beweisen wollen ? — 
Und so wenig diese Absicht nach den Umständen denkbar, so wenig stimmt 
sie mit der Darstellung des Livius. Hätte er die unter allen möglichen ^verkehrteste 
Argumentation wirklich gewählt, so hätte er doch der einen precatio die andre in 
ihrem Wortlaute entgegenstellen müssen; denn als bekannt durfte er bei dem Leser 
kreis, für den er schrieb, die eine Formel so wenig voraussetzen, als die andre. Er 
thut diess aber nicht, er spricht nicht einmal andeutungsweise von dem Gegensätze, 
von dem hier Alles abhängen soll, zwischen der Richtung auf das Volk oder auf 
den Einzelnen, — denn dass der Satz: spoponderunt consules etc. mit diesem 
Gegensätze nicht den entferntesten Zusammenhang habe, wird kein Unbefangener 
verkennen, da der Gegensatz nicht in den populus, sondern in die Beziehung auf 
zwei Fetialen (die doch so gut wie die Consuln als Einzelne gedacht werden könnten) 
”) S. Rubino Untersuchungen S. 283. Auch Danz (a. a. O. S. 123 Note 11) gibt 
diess zu. 
7< ) Dass übrigens auch bei einem tbedus der Eid auf die Person des Schwörenden gerichtet 
werden konnte, zeigt'die von Polybius (LII. 25) überlieferte Eidfbrinel des ersten Bündnisses mit 
den Carthagern. Mag man dabei an das zuerst injussu populi sine auctoritatc patrum vom Consul 
Lutatius geschlossene, oder an das nachher publico consilio wiederholte denken, von beiden ge 
braucht Livius XXI. c. 18 den Ausdruck: foedus ictum, wo er nach Danz nur von einer sponsio 
hätte reden dürfen.
	        
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