Full text: Schriften der Universität zu Kiel aus dem Jahre 1858. (Band V.)

juris privati Romani et tbrensis geschrieben, welches 1702 und auch später wieder gedruckt und 
cominentirt*) wurde. Diese Schrift konnte hinreichende Veranlassung geben, Sch. nach Kiel zu 
berufen; die Geschichte des Herzoglich Schl.-Holstein. Gottorf. Hofes. Frankf. 1774 giebt S. 18 an: 
Bei der Frage, ob man einen in Argwohn gerathenen Staatsbedienten ohne ordentliche Rechtsver 
folgung am Leben und Gütern strafen könne ? wären die Schl.-Holstein. Räthe uneins gewesen, und 
„musste der Professor Schöpffer auf der Universität zu Rostock solchen Satz (der Zulässigkeit der 
Strafe) weiter ausführen, dafür er zur Belohnung Justizrath und erster Rechtslehrer zu Kiel wurde“. 
Denselben Grund der Berufung giebt Hennings in seinen handschriftlichen Nachrichten über die Kieler 
Universität an und man sieht, dass seiner Angabe in lateinischer Sprache eine ganz ähnliche Angabe 
in deutscher Sprache zum Grunde lag, wie die in der genannten Geschichte des Gottorf. Hofes 
befindliche, er führt jedoch zu den Worten sine ordinaria judiciorum forma in Parenthese: „Rechter 
Afterlblgung“ an, woraus so gut wie gewiss ist, dass Hennings das grössere handschriftliche Werk: 
das verwirrte Cimbrien (Verzeichniss der Handschriften der Universitäts-Bibliothek B. 1. S. 158) vor 
sich hatte und benutzte. Beide Schriften, die grössere Handschrift und die kleinere Druckschrift, 
sind nicht ohne Partheilichkeit und Leidenschaft geschrieben, aber Schürfer war allerdings, wie sein 
späteres Benehmen in Mecklenburg bewies, sehr starr in seinen politischen Ansichten, die, wenn 
auch ohne Falschheit, nicht ohne Einfluss auf die Anwendung der Jurisprudenz waren. Ausser der 
Professur ward Sch. die Theilnahrne am damaligen Kieler Landgerichte aufgetragen, ihm ward ein 
ungewöhnliches grosses Gehalt von Ü00 Rth. bewilligt und für die praktische Thätigkeit wöchentlich 
15 Rth. Diäten. Prof. Vogt bezog einen Gehalt von 150 R. 
Schöpffer verliess, nachdem er manche Streitigkeiten mit seinem Collegen Vogt gehabt hatte, 
Kiel schon im April 1714 während seines Rectorats**) und ging wieder nach Rostock. Franck erzählt 
der Geh. Rath von Petkum habe sich bei den Streitigkeiten mit der Stadt Rostock und der Ritter 
schaft in Mecklenburg nach einem Mann umgesehen, der sich wohl wider Rostock würde gebrauchen 
lassen, da der. Kantzier Klein, ein geborner Rostocker, eine natürliche Abscheu hatte, seine Vater 
stadt um ihre Gerechtigkeit zu bringen, deren Bestes er vielmehr nach Vermögen gern befördern 
wollt'e. Diesen Mann fand Petkum in J. J. Schöpffer, und der Herzog Carl Leopold liess diesen be 
rühmten Rechtslehrer wieder zurück berufen, machte ihn vorerst zum Director der Justizkanzlei und 
mit Ausgang des- folgenden Jahrs zum Geh. Rath. An den Gewaltsamkeiten, welche von Seiten der 
Regierung gegen den Magistrat der Stadt Rostock und die Ritterschaft unternommen wurden, hatte 
nach Franck Geh. Rath Schöprf'er wesentlichen Antheil. In Folge der Kaiserlichen Commission floh 
Schöpffer und ging erst zu seinem Bruder, der Prediger in Eisleben war, starb 1719 25. Sptb. auf 
einer Reise nach Altstädt im Eisenachischen. 
Ausser dem erwähnten Pandektencompendium hat Sch. mehrere Dissertationen geschrieben, 
während seiner Anwesenheit in Kiel jedoch nur zwei: de regula Kauf geht vor Miethe und de 
dominio reservato. Ich habe diese beiden Arbeiten nicht einsehen können. 1 
14) Christoph Heinrich Amthor 
ward 1(578 zu Stolberg geboren, in Rendsburg bei seinem Vaterbruder, dem Königlichen Kriegs- 
commissar, erzogen; er begann 1(394 seine Studien in Kiel, ward hier 1708 ordentlicher Professor 
*) 1706 erschienenen J. Kleinii annotationes ad Schöpften synopsin, 1717 It. G. Dresselii commentarius. 
**) 5. April 1714 hatte ihm Muhlius das Reetorat übergeben und dabei de dignitate et officio procaneellarii Kiliensis 
eine Rede gehalten. . : .v
	        

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