Full text: (Band IV.)

Aufgaben von nah und fern in unsrer Mitte erscheinen, das Fest mit uns zu begehen, 
und für diese Zuhörerschaft werden wir verständlicher sein wenn wir deutsch reden. 
Je kleiner nun aber in dieser Zeit der Erholung die Zahl der hier anwesenden Uni 
versitätsgenossen ist, desto eher mag es gestattet sein von der guten alten Sitte ab 
zuweichen und an dieser Stelle ein Allen, die uns hier durch ihre Anwesenheit 
erfreuen, vernehmbares deutsches "Wort zu reden. 
Ohnehin darf in unsern Tagen die Wissenschaft nicht, wie es früher wohl 
geschehen ist, sich starr von andern Richtungen und Bestrebungen des Lebens ab 
sondern, findet sie vielmehr überall die dringendste Mahnung sich mit allen guten 
Geistern zu kräftiger Gemeinschaft zu verbinden. Den Universitäten also würde es 
schlecht anstehen, wollten sie in eitler Selbstgenügsamkeit sich auf sich selbst zurück 
ziehen und einen Kastengeist in sich nähren, der, wenn er auch anderswo von den 
augenblicklich herrschenden Luftströmungen begünstigt wird, doch nirgends vor dem 
frischeren Hauche dieses Jahrhunderts bestehen kann. Es muss also von Zeit zu Zeit 
die Universität sich auch an die wenden, welche ferner stehen und es versuchen sich 
mit diesen über das was sie soll und will zu verständigen. Denn, so nahe es läge 
am Geburtstage des Königs der alle beschäftigenden ernsten Lage des Landes zu 
gedenken, nicht von daher wollen wir den Stoff zu unsern Erwägungen nehmen. 
Fehlt es doch nicht an Stätten, wo darüber geredet werden darf und wo auch die 
Universität durch ihren würdigen Vertreter das Wort geführt hat. Hier in den 
Hallen der Wissenschaft sollen uns die Interessen der menschlichen Bildung über 
haupt beschäftigen, ohne deren veredelnden und sittlichenden Einfluss, welcher steter 
Erneuerung, Förderung und Anregung bedarf, ein wahrhaftes Gedeihen des Staats 
und Volkslebens undenkbar ist. Wenn irgend etwas hat uns die trübe Geschichte 
des letzten Jahrzehnts — und nicht etwa bloss in diesen Landen — das lehren 
können, dass die äusseren Ordnungen des Staats- und Völkerlebens von innen aus 
gehen müssen, und dass um Gediegenes, Festes, Dauerndes zu erreichen die Völker 
sittlicher und geistiger Veredlung und Vertiefung bedürfen. Zu dieser grossen Auf 
gabe mitzuwirken sind sicherlich auch die Universitäten berufen, und so erbitte ich 
mir für einige einfache Betrachtungen über deren Zweck und Stellung in unsrer Zeit 
Ihr wohlwollendes Gehör. 
Die erste Gründung von Universitäten ist nicht sowohl aus menschenfreund- 
lieber Fürsorge für die Pflege der Wissenschaften, noch weniger aus der Absicht die 
Vorbildung zu gewissen Berufsarten zu fördern, sondern aus dem dem Mittelalter so 
wesentlich eigentümlichen Corporationsgeist hervorgegangen. Wie Handwerke und 
Gewerbe aller Art sich wechselseitigen Schutzes und der Erhaltung guter Sitte wegen 
zu Innungen und Zünften zusammen tliaten, so einigten sich die, Avelche in der Pflege 
der Gelehrsamkeit ihre Aufgabe fanden, zu Genossenschaften, deren Bedeutung, wie 
es noch heut zu Tage bei den englischen Universitäten der Fall ist, weit über die
	        
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