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oder Tabak zu haben, dass er auf der Erde Gegenstände liegen sieht;
in der Regel ermuntern ein paar diesbezügliche Fragen ihn zur weiteren
Mittheilung, er sieht unter dem Tisch einen Pudel, gleich darauf sind
es schon mehrere, er ruft denselben, streichelt ihn, sagt dann plötzlich,
„jetzt ist er fort“. Unvermittelt dreht der Kranke sich dann um, sagt,
„ja, ich komme gleich“ oder ruft einen Namen; unser Nachforschen
ergiebt, dass ihm soeben gerufen wurde. Bald darauf sieht er draussen
Militär vorbeiziehen und hört, dass die Musik den Torgauer Marsch
spielt. Ueberhaupt zeigt er sich bei Fragen sehr bereit zur Antwort,
nur passt dieselbe öfters gar nicht zu unsern Fragen, er hat etwas ganz
anderes verstanden. Ein Examen über die Orientirung ergiebt, dass er
zeitlich und örtlich ganz desorientirt ist, er ist auf der Polizei, um ver
hört zu werden, der eine Arzt ist der Commissar, der andere, der die
Krankengeschichte schreibt, der Sekretär. Der Patient berichtet dann
ausführlich, wenn auch zuweilen etwas confus, von dem scheusslichen
Sittlichkeitsverbrechen, dem er hat beiwohnen müssen, oder von den
Dieben, die in sein Haus eingebrochen sind und alles auf den Kopf ge
stellt haben oder aber er betheuert seine Unschuld, er habe mit der
Schlägerei, bei der es mehrere Todte gegeben, nichts zu thun gehabt
und sei nur fälschlich angeklagt; oder er behauptet auf seiner Arbeits
stelle zu sein, will fort, weil er dringend zu thun habe, hält die Aerzte
für Werftinspectoren oder Kameraden. Den Wochentag, das Monats
datum, auch die Tageszeit nennt er falsch. Um eine Antwort ist er
nicht verlegen. Auf die Frage, warum er im Hemd auf das Ge
richt komme, erwidert er, seinen Rock habe er gerade zum Aus
bessern gegeben; das starke Zittern kommt von der schweren Arbeit.
Während er schon einen Tag in der Klinik ist, erzählt er auf diesbe
zügliche Fragen, dass er Nachts zu Hause gewesen und Morgens auf
die Arbeit gegangen sei, er habe 1 Glas Bier und 1 Kümmel getrun
ken, sicher nicht mehr. Er sei in den letzten Tagen krank gewesen
und deshalb in die Nervenklinik gegangen. Jetzt fehle ihm nichts.
Die Bemerkung, dass er sich noch in der Klinik befinde, wird lachend
zurückgewiesen; Während es so leicht gelingt, ihn zur Erzählung aller
hand erfundener Geschichten zu bringen, und ihm Situationen zu sugge-
riren, sind seine Angaben über seine Person, seine Familien- und
Arbeitsverhältnisse durchweg prompt und correct. Bei der Unterhaltung
ist der Kranke anscheinend ganz guter Stimmung, macht kleine Scherze
und lacht des öfteren, wenn auch in etwas gezwungener Weise, an
Stelle dessen kann, zumal wenn er sich selbst überlassen wird, plötz
lich heftige Angst treten, er glaubt, es wird auf ihn geschossen,
die Kugeln stecken schon in seinem Leib, draussen stehen Leute mit

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