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gewarnt werden, bei dem kaum ein Fall wie der andere verläuft, und 
fiir jeden ev. besondere therapeutische Erwägungen erforderlich sind. 
Denn mag man auch noch so skeptisch sein und den Standpunkt 
vertreten, dass unsere Therapie bei dem Delirium nichts nützt, das ist 
sicher, ungenügende Maassnahmen oder Vernachlässigung können zu den 
traurigsten Folgen führen, was dann um so bedauerlicher ist, als die 
Krankheit, wenn man dafür sorgt, dass sie ihren ruhigen Gang nehmen 
kann, eine im Allgemeinen recht günstige Prognose hat. 
Nach dem Schlaf tritt meist Reconvalescenz ein und die Kranken 
erholen sich sichtlich. Für .die erste Zeit wird man noch Bettruhe ver 
ordnen, dann aber die Patienten allmählich zur Arbeit bringen. 
Die weitere Behandlung deckt sich mit der der Trinker im Allge 
meinen. Die Erfolge sind leider äusserst dürftige. Nur in den wenigsten 
Fällen gelingt es, die Abstinenz, die Vorbedingung ist, durchzuführen. 
Von einer längeren Krankenhausbehandlung oder Unterbringung in eine 
Trinkeranstalt kann fast durchweg aus socialen Gründen nicht die Rede 
sein. Die Patienten sind auch meist damit nicht einverstanden, da es 
ihnen ein leichtes sei, auch ohne dies das Trinken zu unterlassen. Zu 
Zwangsmassregeln fehlen in der Regel die gesetzlichen Unterlagen, gegen 
die Entmündigung, mit der zudem auch fast nichts erreicht wird, 
sträuben sich meist die Angehörigen. Mit den besten Vorsätzen, hoch 
und heilig betheuernd, dass sie nichts mehr trinken werden, verlassen 
die Patienten das Krankenhaus. Bei den meisten reichen die guten 
Vorsätze kaum über die erstell 8 Tage, wenige nur treten einem 
Abstinenzverein bei, und auch diese werden meist über kurz oder lang 
wieder rückfällig. Die Zahl der Ncuerkrankungen am Delirium oder 
anderen Alkoholpsychosen ist daher eine beträchtliche. 
Zum Schluss erfülle ich die angenehme Pflicht, meinem hochver 
ehrten Chef, Herrn Geheimrath Professor Dr. Siemerling für die An 
regung zu dieser Arbeit, die Ueberlassung des Materials und die mir 
stets bewiesene Antheilnahme und Förderung bei der Ausarbeitung 
meinen aufrichtigsten Dank auszusprechen. 
Literaturverzeichnis». 
1. Alzheimer, Das Delirium alcoholicum febrile Magnan’s. Centralbl. für 
Nervenheilk. u. Psych. 1904. S. 437. 
2. Aschaffenburg, Ueber die Symptomatologie des Delirium tremens. I.-D. 
Wien 1890.
	        

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