69 
sammelte Kothmassen zu entfernen. Dagegen sind Abführmittel per os 
nicht so zweckmässig. Es bestellt dabei immer die Gefahr, dass man 
Durchfälle erzeugt; erfahrungsgemäss aber können alle schwächenden 
Einflüsse bei Deliranten von unangenehmsten Folgen begleitet sein. 
Aus den gleichen Gründen wird man von Brechmitteln Abstand nehmen, 
wie sie Naecke bei kurz vorher stattgehabtem Alkoholgenuss ange 
geben hat. Er fügt allerdings selbst hinzu, dass im Allgemeinen wegen 
der Collapsgefahr davor gewarnt werde. 
Durchaus wünschenswerth ist es, regelmässig die Temperatur zu 
messen, da dieselbe für die Beurtheilung des Falles und die einzu 
schlagende Therapie von grösster Wichtigkeit sein kann. Im Allgemeinen 
wird man damit auch bei aufgeregten Kranken nicht zu viel Schwierig 
keiten haben, da sie sich ja meist vorübergehend fixiren lassen. 
Bei der gerade bei Deliranten so grossen Gefahr durch Coropli- 
cationen und der Neigung zum Schwitzen wird man darauf Bedacht 
haben müssen, dass solche, die nicht im Bett oder Bad zu halten sind, 
in gut erwärmten Räumen und hinreichend bekleidet sind. Bei den 
jenigen, die sich der Kleider entledigen, wählt man am besten einen 
Anzug aus festem Stoff, der auf dem Rücken geschlossen und vom 
Kranken nicht geöffnet werden kann, wie dies auch schon von Fürstner 
empfohlen ist. 
Im Allgemeinen wird es nicht rathsam sein, die Kranken im 
Delirium in häuslicher Pflege zu lassen, wenn nicht ganz besondere 
günstige Umstände dies angängig erscheinen lassen. Nach v. Ivrafft- 
Ebing gehören Deliranten nicht in Irrenanstalten, sondern ein anderes 
Krankenhaus. Es ist aber nicht einzusehen, warum eine Geisteskrankheit, 
wie es das Delirium einmal ist, die ganz besondere Anforderungen an 
die Pflege stellt, den dazu doch vor Allem eingerichteten Irrenanstalten 
entzogen werden soll. Dass thatsächlich die meisten Anfälle ausserhalb 
der Anstalten bleiben, liegt lediglich daran, dass bei der Kürze der 
Erkrankung es nicht so weit kommt. In grösseren Städten besitzen 
wohl fast alle Krankenhäuser jetzt Einrichtungen, um Deliranten auf 
nehmen zu können und es wäre wünschens werth, wenn allmählich alle 
grösseren Krankenhäuser mit entsprechenden Einrichtungen ausgerüstet 
würden und dem zur Verpflegung von Deliranten nöthigen, geschulten 
Personal. 
Das Delirium ist jedenfalls eine Erkrankung, deren Behandlung an 
Aerzte wie an Personal die höchsten Anforderungen stellt. Allgemein 
gültige Regeln für die Behandlung giebt es nicht und es kann nicht 
dringend genug vor einem Schematismen gerade bei diesem Leiden
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.