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Alkohol in grösserem Umfange auch bei einfachen Delirien zu verab
folgen als dies im Allgemeinen jetzt gerathen wird. Es sollte nicht in
erster Linie unsere Sorge sein, einen Collaps oder einen unmittelbar
bevorstehenden zu bekämpfen, sondern nach Möglichkeit zu verhüten,
dass es überhaupt so weit kommt. Es wird daher in der Klinik bei
Deliranten von Anfang an Strophantus oder Digitalis, ev. Digalen ge
geben. Sobald die motorische Unruhe zunimmt, sodass der Kranke nicht
im Bett zu halten und in dauernder Bewegung ist, ebenso, wenn der
Puls unregelmässig oder leicht unterdrückbar ist, erhält der Kranke
noch schwarzen Kaffee und Alkohol, indem auch wir die angenehme
Wirkung der kohlensäurehaltigen Getränke uns zu Nutze machen, er
hält der Kranke Selterswasser, dem 96 pCt. Alkohol zugesetzt ist, und
zwar werden nach der Schwere des Falls auf eine kleine Flasche des
künstlichen Mineralwassers 15—30 ccm Alkohol genommen. Davon er
hält der Kranke in kleinen Portionen häufig angeboten, etwa 2 bis
3 Flaschen im Tag und ebensoviel bei Nacht. Diese Mischung wird
von den Patienten im Allgemeinen gerne getrunken und führt ihnen
zugleich die nöthigen Mengen von Flüssigkeit zu. Durch die Kohlen
säure wird gleichzeitig die Diurese und Schwcissbildung gefördert und
auch günstig auf Appetit und Verdauung eingewirkt. Ich glaube aber
auch sonst der Alkoholverabreichung günstige Wirkungen zuschreiben
zu dürfen. Wenn auch Bonhoeffer darin beizustimmen ist, dass das
Delirium keine reine Alkoholabstinenzerscheinung ist, so mischen sich
solche doch entschieden demselben bei und sind durch Darreichung von
Alkohol zu beseitigen oder zu mildern. So ist experimentell schon
nachgewiesen und ich kann dies bestätigen, dass der Tremor an
Heftigkeit nachlässt, bei der oft erheblichen Intensität und dem dadurch
bedingten Kräfteverbrauch eine durchaus erwünschte Wirkung. Ausser
dem habe ich aber den Eindruck gewonnen, beweisen lässt sich der
artiges bei den schwankenden Erscheinungen des Alkoholdeliriums ja
schwer, dass die Angstzustände durch Alkoholgaben gedämpft und ge
mildert werden. Es würde dies seine Erklärung darin finden können,
dass gerade Angstgefühl und innere Unruhe nicht so selten Abstinenz
erscheinungen sind, die auf Alkohol prompt schwinden. Auch besteht
nach Bonhoeffer ein Zusammenhang zwischen motorischer Unruhe und
ängstlichem Effect.
Es werden auch Einwände gegen die Alkoholmedication deshalb
erhoben, weil man bei dem Trinker nicht ärztlicherseits die Meinung
erwecken dürfe, als ob es ohne Alkohol nicht gehe. Wer in dieser
Richtung Bedenken trägt, mag ja immerhin sich des Alkohols in l'orin
einer Medicin bedienen, obwohl beim Delirium diese Befürchtung fort

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