65 
Bei der Rücksichtslosigkeit, mit der die Patienten gebrochene Glied- 
maassen behandeln, Verbände abreissen und Wunden verschmieren, ist 
die Lebensgefahr eine ausserordentlich grosse und sind dann, um diese 
abzuwenden, ausserordentliche Maassnahmen in Ausnahmefällen nicht 
zu vermeiden. Bei dem Bestreben der Kranken, Verbände abzureissen, 
kann man versuchen, dem durch Schutz verbände an den Händen ent 
gegenzuarbeiten. Da die Kranken daran oft mit den Zähnen reissen, 
ist Stärkeverband meist erforderlich, vor Eingipsen dagegen zu warnen, 
da ein solcher Gipsverband eine gefährliche Waffe darstellt. Wenn die 
Deliranten auf ihren gebrochenen Beinen umherlaufen, wird die Noth- 
wendigkeit gegeben sein, sie irgendwie zu immobilisiren, da selbst starke 
Gipsverbände den verletzten Gliedern oft keinen hinreichenden Schutz 
gewähren. Die Patienten hämmern unter Umständen solange damit auf 
den Boden, bis der Gips losbröckelt. Versagen die Narcotica, oder ist 
dauernde Verwendung irgendwie contraindicirt, so wird man eventuell 
vorübergehend zu mechanischem Zwang greifen müssen. Festhalten 
durch das Personal erregt meist die Kranken nur noch mehr. Einen 
ganz guten Erfolg habe ich dadurch erzielt, dass dem Deliranten, der 
in einem Kastenbett lag, ein Handtuch lose um den Oberarm geschlun 
gen und am Bett befestigt wurde. Er hätte den Arm mit Leichtigkeit 
aus der Schlinge ziehen können, verfiel aber nicht auf den Gedanken 
und legte sich wieder hin, wenn er beim Versuche aus dem Bett zu 
steigen, am Arm sich festgehalten fühlte. Zuweilen gelingt es auch 
dadurch, dass man die Bettdecken auf beiden Seiten befestigt, den Kran 
ken zu bewegen im Bett zu bleiben, da er den Sitz des Hindernisses 
nicht erkennt. In den seltensten Fällen kann man wohl in die Lage 
gerathen, einmal die Hände festbinden zu müssen. Am besten dann 
nach guter Unterpolsterung mit Binden ausgestreckt an die Bettstelle. 
Aber nur drohende Gefahr für das Leben bei Versagen aller anderen 
Hülfsmittel kann einmal derartige Maassregeln rechtfertigen. Dabei sei 
man aber nicht damit zufrieden, den Kranken so festgelegt oder seine 
Hände unschädlich gemacht zu haben, sondern man muss sich immer 
wieder die Frage vorlegen, ist dieser Zwang noch unbedingt erforder 
lich, wird es nicht auf andere Weise einzurichten sein, und muss immer 
von Neuem versuchen, ob man nicht ohnedem auskommen kann. Ihut 
man dies, dann wird man auch in verzweifelten fällen mit mechanischen 
Zwangsmitteln immer nur kurze Zeit arbeiten müssen. Dass derartig 
behandelte Kranke in noch erhöhtem Maasse der ständigen Bewachung 
unbedingt bedürfen, braucht kaum hervorgehoben zu werden. 
Von den körperlichen Symptomen erfordert das Herz der Deliranten 
dauernde Aufmerksamkeit und man soll nicht zu lange mit der Dar
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.