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der geringeren Giftigkeit und der weniger unangenehmen Nachwirkungen
und zwar 2 mg. Während wir für andere Kranke die Combination mit
1 cg Morphium anwenden, um die unangenehmen Nebenerscheinungen
zu bekämpfen, fügt man bei den Deliranten ganz zweckmässig eine Cam-
pherspritze zu. Ich habe bei dieser Medication keine schädlichen Wir
kungen gesehen, selbst bei massigem Puls nicht. Die eintretende Be
ruhigung spart dem Patienten soviel Kraft, dass die Giftigkeit dagegen
nicht so sehr in’s Gewicht fällt. Meist wdrd man dann doch für Stun
den Beruhigung oder Schlaf erzielen und das Krankheitsbild, die Affect-
lage ist dann oft eine angenehmere, leichter zu behandelnde geworden.
Wie oben schon erwähnt, versagen manchmal auch diese Narcotica so
gut wie ganz. Man wird dann schliesslich noch der Frage gegenüber
stehen, ob man zur Chloroformnarkose greifen soll. Man bleibe sich
aber wohl der Gefahren bewusst, die eine solche für einen Trinker dar
stellt. Wenn man aber alles andere versucht hat ohne Erfolg und sieht
wie der Kranke tobt und sich abarbeitet, dass daraus fast mit Sicherheit
das Schlimmste zu erwarten ist, dann wird man doch, glücklicherweise
in recht seltenen Fällen, lieber das Aeusserste wagen, als unthätig
dem Verhängniss seinen Lauf zu lassen. Alle Vorsichtsmaassregeln sind
zu beachten, mit Excitantien nicht zu sparen, event. hier vorher eine
Morphiumspritze. Man sieht dann doch manchmal ziemlich schnell Ruhe
sich einstellen, und es scheint vor Allem das vorher verabreichte Du-
boisin und Morphium dann besser in Wirkung zu treten, so dass der
Chloroformverbrauch kein zu grosser ist. In den wenigen Fällen, wo
wir zu diesen letzten Aushiilfsmitteln greifen mussten, sind unangenehme
Erscheinungen nicht zu Tage getreten, ein ultimum refugium und ver
zweifeltes Mittel bleibt eine Chloroformnarkose stets und nur in äusser-
ster Nothiage und nach reiflichster Ueberlegung sollte man sich dazu
entschliessen, von zwei Uebelu das vorausichtlich kleinere zu wählen.
Gaben von 8—10 Paraldehyd, 1,0 Veronal, 1—3,0 Isopral, 2,0 Tri-
onal bleiben im entwickelten Delirium meist wirkungslos; sogar waren,
wie ich aus den Krankengeschichten entnehme, folgende in geringen
Abständen verabfolgten Mittel erfolglos: 2,0 Trional-j-8,0 Paraldehyd;
2mal 12,0 Paraldehyd; 1,0 Trional -)- 10,0 Paraldehyd -(- 2,0 Isopral;
16,0 Paraldehyd -f- 0,002 Duboisin -f- 0,01 Morphium. Die Beruhigung
durch die darauf folgende Chloroformnarkose ebenfalls nur von kurzer
Dauer. Glücklicherweise sind derartige Fälle Ausnahmen.
In die Nothwendigkeit, mechanische Zwangsmittel anzuwenden, wird
man höchstens gelegentlich bei der Complication mit Verletzungen und
Operationswunden kommen können.

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