63
Ganser hat dabei einen Kranken verloren und auch bei meinem Mate
rial finde ich einen Exitus in der Packung. Es handelte sich um eine
Puella, sie war im Bett nicht zu halten, Bäder sind hier Nachts nicht
ausführbar, eine Isolirung war nicht möglich, da die Patientin sofort
heftige Angstzustände bekam und tobte. Im Krankensaal konnte man
sie nicht nmhergehen lassen, da sie ein äusserst unangenehmes Beschäf
tigungsdelirium bekam, die Mitpatientinnen für Herrenbesuch hielt und
ihrem Beruf entsprechend versuchte, sich an denselben zu schaffen zu
machen. Die Packung liess sie sich gern gefallen, da sie dieselbe für
eine sexuelle Manipulation hielt, auch in dieser war sie heiter, lachte und
machte Spässe. Nach einiger Zeit wurde durch ihr Verstummen die
Aufmerksamkeit der Pflegerin erregt, die bei der Patientin noch einige
Zuckungen bemerkt haben will. Obwohl gleich ausgepackt wurde, ärzt
licherseits Excitantieu verabfolgt und künstliche Atlimung eingeleitet
wurde, gelang es doch nicht, die Kranke wieder zum Bewusstsein zu
bringen; höchstwahrscheinlich war ein epileptischer Anfall eingetreten,
der in Folge der Behinderung in der Packung dies traurige Ende nahm.
Während manche Deliranten auf dem Krankensaai durch die Umgebung
erregt und auch wohl thätlich werden, sind andere dort unter den an
deren Kranken am ruhigsten, ja solche, die noch kurz vorher in hef
tigster Angst und Erregung gewesen, bringen es unter Umständen fertig,
Karten zu spielen und zwar leidlich gut oder sie machen sich mit einer
Zeitung zu schaffen oder greifen hier und da an, wodurch sie mitunter
wohl auch lästig werden können. Man wird daher besonders dann sie
gut im Auge behalten müssen, wenn sich andere reizbare Patienten auf
der Station befinden. Im Allgemeinen kommen bei uns wenigstens die
anderen Kranken ganz gut mit den umherlaufendeu Deliranten aus.
Wenn alles nicht verfängt, hilft öfters der Zuspruch besonders ärzt
licherseits. Wenn die Auffassung nicht zu gestört ist, gelingt es meist
nicht allzuschwer, denPatienten zufixiren und in ein Gespräch zu verwickeln,
welches ihn zuweilen auf andere Gedanken bringt und beruhigend wirkt,
wenn auch meist nur vorübergehend. Es bleiben aber dann immer noch
einzelne Fälle über, wo alle Mittel nichts helfen wollen, wo durch die
tobsüchtige Erregung die ernsteste Gefahr für den Kranken, in zweiter
Linie eventuell auch für seine Umgebung droht. Dann wird man zu
Narcotica greifen müssen, meiner Ansicht nach aber auch nur dann.
In solchem Falle halte ich es auch für angebracht, gleich mit grossen
Dosen vorzugehen, 3,0 Isoporal, 1,0 Veronal; mit Paraldehyd in grossen
Quantitäten muss man vorsichtig sein, wegen der zu befürchtenden
schlechten Wirkung auf die Sicherheit des Ganges. Als letztes Mittel
bleibt eine subcutane Injection, wir bevorzugen hier das Duboisin wegen

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.