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glaube ich, dass diese Verallgemeinerung zu weitgehend ist. Man wird
nur darauf achten müssen, dass die Zimmerluft nicht zu drückend ist.
Vor Dampf- oder Heissluftbädern (Cramer) ebenso wie vor kühlen von
18° C. (Salvant) würde ich aber zurückschrecken wegen der ge
steigerten Anforderungen an das Herz. Im Uebrigen hat das protrahirte
Bad viele Vorzüge. Die Kranken befinden sich im Warmen, sind vor
Verletzungen besser behütet als wenn sie umherlaufen, etwaige vor
handene Wunden sind vor Infection geschützt. Die anerkanntermaassen
beruhigende Wirkung darf sicher auch nicht zu gering angeschlagen
werden. Nach den Erfahrungen an der hiesigen Klinik lässt sich ein
grosser Theil der Kranken ohne grosse Schwierigkeiten im Bad halten,
sie arbeiten und kramen im Wasser umher, fangen Fische u. s. f., beim
Versuch, die Wanne zu verlassen, genügen häufig ein Paar zuredende
Worte oder ein leichter Händedruck. Dagegen kann ich Kraepelin
nicht darin beistimmen, dass Deliranten bei gehöriger Ueberwacliung,
ev. auch unter Darreichung von Narcotica, immer ohne erhebliche
Schwierigkeiten im Bad zu halten wären. Es giebt Kranke, die in
keiner Weise zum Bleiben zu bewegen sind. Ich halte es für durchaus
verfehlt und nicht ungefährlich, den Aufenthalt im Wasser erzwingen
zu wollen. Auch bei gut geschultem zahlreichem Personal würde es
kaum gelingen, einen heftig widerstrebenden Deliranten in der Wanne
zu halten, dabei ist es schwierig, an dem nassen Körper ordentlich zu
zufassen, der Kranke ist der Gefahr des Ausgleitens in erhöhtem Maasse
ausgesetzt und er würde sich nur zwecklos abrasen und so in steigende
Erregung versetzt werden. In solchen Fällen thut man gut, zeitig auf
das Bad zu verzichten, was aber durchaus nicht ausschliesst, dass man
später nochmals dasselbe versucht. Häufig wird eine Isolirung durch
aus am Platze sein, wobei sorgfältige Ueberwachung Voraussetzung ist,
wie es überhaupt als selbstverständlich zu erachten ist, dass man Deli
ranten niemals sich selbst überlässt. Für viele wirkt die Isolirung ent
schieden beruhigend, sie packen mit ihrem Bettzeug, arbeiten herum,
stützen die Wände oder beschäftigen sich sonst für sich, während sie
im gemeinsamen Raum erregt, fortdauernd störend, oft thätlich sind.
Bei anderen ruft allerdings die Absonderung heftige Angst und Zunahme
der Unruhe hervor, so dass man auf andere Maassnahmen denken muss.
Mechanische Zwangsmaassregeln sind wie überhaupt, so besonders
beim Delirium durchaus zu verwerfen. Fürstner und Kirchhoff
machen schon auf die Gefahr aufmerksam, die durch Fixirung für die
Lungen bedingt ist, auch nimmt bei einer solchen eventuell ein epilep
tischer Anfall einen schlimmen Ausgang. Aus diesem Grunde sind auch
die sonst oft so günstig wirkenden feuchten Einpackungen zu vermeiden.

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