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doch das Delirium sich entwickeln, und ein andermal bleibt dasselbe
ohne unser Zuthun aus. Die Wirkung eines Medicaments kann gerade
hier leicht vorgetäuscht werden, da wir den Anfall auch später oft nach
kurzer Zeit zum Ablauf kommen sehen. Daher können die von ver
schiedenen Seiten veröffentlichten vereinzelten Fälle von coupirtem
Delirium durchaus nicht als irgendwie beweiskräftig bezeichnet werden.
Es ist richtig, dass die Erkrankung bei allen uncomplicirten Fällen im
Allgemeinen ohne Medication auch in der gegebenen Zeit zum Abschluss
kommt, deshalb wird man jedoch nicht die Hände in den Schooss legen.
Wenn auch nicht die Krankheit in ihrer Gesammterscheinung unseren
Eingriffen weicht, so darf man doch annehmen, dass wir auf einzelne
Symptome in etwa einzuwirken vermögen, und es sind daher auch von
jeher die mannigfaltigsten Versuche gemacht worden, dem Delirium
therapeutisch beizukommen.
Früher wurde zur Beruhigung vor Allem Opium bevorzugt, auch
noch von Jacobson, Mendel, v. Krafft-Ebing, Rose, Didjurgeit
und Ziehen empfohlen, von Wernicke in Combination mit Morphium.
Als das Chloralhydrat in den Arzneischatz eingeführt wurde, glaubte
man damit dem Delirium zu Leibe gehen zu können und machte aus
gedehnten Gebrauch von diesem Mittel, das leider auch heute noch
nicht, wo uns bessere und weniger gefährliche Narcotica zur Verfügung
stehen, aus der Therapie verdrängt ist. Eine Reihe von Autoren aus
der neuesten Zeit hält die Anwendung des Chlorals noch für angebracht
und rathsam in uncomplicirten Fällen, manche glauben auch Erfolge
davon zu sehen, jedoch kann man diesen gegenüber wohl recht skeptisch
sein. So giebt Aufrecht Abends 4—6 g und bei besonderer Erregung
auch noch Morgens 2—3 g. Dabei hat er keine längere Dauer des
Deliriums als 3 X 24 Stunden gehabt, ein in der That sehr geringer
Effect. Die Mehrzahl der Delirien läuft in dieser Zeit auch so ab, um
so mehr, als ja lange nicht alle im ersten Beginn in Krankenhaus
behandlung treten. Mit Recht warnen Bonhoeffer, Ganser,
Kraepelin vor der Anwendung des Mittels. Man darf nicht vergessen,
dass Chloral ein schweres Herzgift ist und gerade das Herz der
schwächste Punkt im Delirium ist und bleibt. Auch darf man sich
nicht zu sehr darauf verlassen, wenn bei einem uncomplicirten Fall das
Herz kräftig arbeitet; dasselbe kann auch bei diesem ganz plötzlich
und unvermuthet versagen und aus dem einfachen Delirium kann sich
jederzeit ein schweres entwickeln.
Fürstner, der ebenfalls das Chloral für gefährlich hält, glaubt
doch in gewissen Fällen im Beginn von einer einmaligen Gabe günstigen
Erfolg gesehen zu haben, jedoch sind derartige Erfolge, wie schon oben

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