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vorher Abnahme der Intelligenz beobachtet worden. Dass der Defect
durch Ueberstehen des Deliriums zunehmen kann, ist wohl denkbar.
Als Ausfluss eines solchen dürfte es wohl auch anzusehen sein, dass
bei einzelnen Kranken zwar nach Abklingen des Deliriums sich Einsicht
für den krankhaften Zustand einstellte, nicht aber dafür, dass der
Alkohol schuld gehabt, was sonst von den Deliranten hinterher in der
Regel bereitwillig eingeräumt wird. 7 Kranke konnten nur als ge
bessert entlassen werden, da bei ihnen keine volle Krankheitseinsicht
eingetreten war.
Eine geringe Anzahl geht auch in chronische Psychosen über.
Manche Autoren drücken sich hierüber unbestimmt aus und sprechen
nur von chronischer Geisteskrankheit (Naecke, Rose). Nach Krafft-
Ebing kommen vor: Wahnsinn, protrahirte Stuporzustände, Melancholie
und Manie mit alkoholischen Zeichen, nach Ziehen ist chronische
Paranoia selten, Mendel erwähnt acute Demenz. Nach Pilcz ist im
Delirium das Deberwiegen der Acoasmen ungünstig und deutet auf die
Gefahr späterer Paranoia, neuritische Erscheinungen und Augenmuskel
lähmungen auf Korsakow. Auch Kraepelin erwähnt als seltenen Aus
gang des Deliriums Korsakow und paranoide Formen. Uebergang in
den Korsakow’schen Symptomencomplex konnte ich in zwei Fällen
feststellen, die beide schwere Delirien betrafen.
Einen Fall, in dem ein Delirium unmittelbar in einen paranoischen
Zustand übergegangen ist, habe ich bei meinem Material nicht, was
natürlich nicht ausschliesst, dass solche thatsächlich Vorkommen. Die
in der Litteratur beschriebenen Fälle erscheinen mir allerdings nicht
ganz unbedingt beweisend, soweit sich das überhaupt aus den mitge-
theilteu Krankengeschichten beurtheilen lässt. In dem von E. Meyer (87)
veröffentlichten Falle aus der hiesigen Klinik ist das überstandene
Delirium nur anamnestisch aus den Akten festgestellt, wobei es fraglich
bleiben muss, ob es sich bei der damaligen Erkrankung thatsächlich
um ein Delirium tremens gehandelt hat. Bei den beiden in Betracht
kommenden Fällen von Raecke(lOS) (Fall 2 und 3) ist im letzteren
das Delirium auch nur anamnestisch festgestellt, im anderen ist das
Delirium nicht ganz typisch und könnte auch als Hallucinose gedeutet
werden. Auch die Fälle von Luther (82) sind nicht ganz überzeugend.
In dem ersten trat nach Ablauf und Heilung eines Deliriums 2 1 / 2 Wochen
nach erneuter Aufnahme in das Krankenhaus wieder ein deliriöser
Zustand auf, der schon deshalb nicht als Delirium tremens bezeichnet
werden kann, weil der Zeitraum nach dem letzten Alkoholgenuss ein
zu grosser ist. In den zwei folgenden Fällen, sowie bei 7 und 8 ist
das Delirium wieder nur ananmestisch bekannt, wenn auch im Kranken-

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