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Differential-Diagnose.
In der Mehrzahl der Fälle wird die Diagnose keine Schwierigkeiten
bereiten. Zu beachten ist jedoch, dass Delirien nur ein Symptom dar
stellen, das bei allen möglichen Erkrankungen in Erscheinung treten
kann. Als die Hauptmerkmale des alkoholischen Deliriums sind auzu-
sehen: Tremor, Desorientirtheit, Sinnestäuschungen und motorische
Unruhe, vorwiegend in Form des Beschäftigungsdelirs. Daneben sind
bemerkenswerth die erschwerte Auffassung, die Suggestibilität und die
Möglichkeit, den Kranken vorübergehend aus seinen Delirien herauszu-
reissen und zu fixiren. Wichtig ist die ätiologische Seite. Ohne Alkohol
kein Delirium tremens, und zwar ist nicht nur langer Abusus erforderlich,
sondern man wird auch verlangen müssen, dass seit dem letzten Alkohol
genuss kein längerer Zeitraum, höchstens 8—10 Tage, verstrichen sein
darf, wenn man noch von einem Alkoholdelirium sprechen will.
Aelinliche Zustände werden durch andere Vergiftungen erzeugt;
Morphium, Chloralhydrat, Paraldehyd, Anilinstoffe und andere toxische
Einwirkungen können in Betracht kommen, sind aber verhältnissmässig
selten gegenüber dem Alkohol.
Am schwierigsten, oft geradezu unmöglich, kann die Unterscheidung
von den deliriösen Zuständen bei Paralyse sein, wobei noch erschwerend
ins Gewicht fällt, dass die Paralyse zuweilen erst mit einem derartigen
Delirium manifest wird, und dass auch gleichzeitig Potus mitvorliegt.
Die körperlichen Symptome, wie Pupillen- und Sprachstörung, sind hier
nicht differential-diagnostisch zu verwerthen, die Lumbalpunction, die
ausschlaggebend sein könnte, wird man bei der bestehenden Unruhe
kaum wagen, sie kann aber von Wichtigkeit werden, wenn sich an die
deliriöse Phase das Bild leichter Demenz und Stumpfheit oder lvorsakow
einstellt, und die Diagnose sonst noch keine Sicherung erfahren hat,
wie es meist ja bei anderen Verlaufsarten der Fall zu sein pflegt. Auf
die grosse Aehnlichkeit beider Krankheitsbilder ist besonders auch von
Kraepelin (72) und Siemerling (125) aufmerksam gemacht worden.
Schwere Delirien gleichen zuweilen sehr einer Meningitis, jedoch fehlt
die eigentliche Nackensteifigkeit; wenn der Zustand der Kranken derart
ist, dass sie im Bette zu halten sind, kann man differential diagnostisch
die Lumbalpunction anwenden. Wenn sich während eines Deliriums
oder im Anschluss an dasselbe eine Meningitis entwickelt, wie ich zu
sehen Gelegenheit hatte, wird natürlich kaum zu unterscheiden sein,
wann das Alkoboldelirium in den deliriösen Zustand bei Meningitis
übergeht.
Im .Verlaufe epileptischer Dämmerzustände kann es zu deliranten

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