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Ebing, Jaksch, Kirchhoff, Mendel, Meynert(90), Siemerling,
v. Speyr.
Wie schon erwähnt, ist es jedoch das Verdienst Bonhoeffer’s,
einerseits das Vorkommen nochmals einwandfrei nachgewiesen, wie auch
andererseits die Häufigkeit des Vorkommens eingeschränkt zu haben.
Vor Allem giebt Inbaftirung dazu den Anlass. Mit Recht wird der
Einwand Kraepelin’s, dass die psychische Alteration die wichtigste
Rolle spiele, zurückgewiesen. Die Mehrzahl der in Betracht kommenden
Persönlichkeiten, Landstreicher und älinl., ist Haft sicher völlig gleich
gültig.
Natürlich darf man bei Jemandem, der mit allen Zeichen des be
ginnenden Deliriums in’s Gefängniss oder auch Krankenhaus gebracht
wird, den dann erfolgenden Ausbruch nicht auf Kosten der Abstinenz
setzen. Wie ich aber aus meinem Material bestätigen kann, giebt es
sicher Fälle, die ohne besondere Anzeichen von Delirium, ja auch ohne
besonders auffällige Erscheinungen von chronischem Alkoholmiss
brauch aus anderer Veranlassung Aufnahme finden, und die nach 2 bis
4 Tagen, der auch von Bonhoeffer angegebenen Zeit, ihr Delirium
bekommen. In meinen Fällen sind immerhin 3,87 pCt., die auf solche
Weise zur Entstehung gelangt sind, dabei glaube ich, irgendwie frag
liche ausgeschaltet zu haben. So z. B. einen Mann, der als gemeinge
fährlich wegen Eifersuchtswahn eingeliefert wurde, der nur etwas Tre
mor zeigte, in der ersten Nacht wenig schlief, am Tage schwitzte und
zittrig war, in der darauf folgenden Nacht aber ohne Mittel gut schlief
und am darauf folgenden Mittag plötzlich anfing zu deliriren, bei dem
sich aber von Anfang an im Urin Albumen fand, welches nach dem
Delirium geschwunden wai.
Im Allgemeinen zeigten auch hier in Kiel diese Abstinenzdelirien,
wie in den Bonhoeffer’schen Fällen, einen milderen und kürzeren
Verlauf, was wohl daraus zu erklären ist, dass bei diesen Personen die
durch die chronische Alkoholvergiftung erzeugten Schädigungen noch
nicht einen solchen Grad erreicht hatten, wie bei den spontan auftre
tenden Delirien und daher schneller wieder ein Ausgleich erreicht
wurde. Aehnlich scheint es mir übrigens mit einem Theil der durch
Trauma und Operation erzeugten Delirien zu sein. Ich konnte öfters
beobachten, dass Kranke, die nach leichten Verletzungen in anderen
Krankenhäusern Aufnahme gefunden oder dort operirt waren, daselbst
nach einigen Tagen anfingen zu deliriren, meist abends, und die dann
am folgenden Tage zu uns verbracht wurden, aber bald darauf in den
kritischen Schlaf verfielen. Ich glaube die Annahme ist nicht ganz
ungerechtfertigt, dass ein Theil dieser kurzen Delirien aber noch in den

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