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sein, dann wieder die durch Infectionserreger producirten Gifte, die man
sich doch untereinander verschieden vorstellen muss, die aber alle das
selbe Krankheitsbild zur Folge haben. Darin sind ja wohl auch die
Anhänger dieser Theorie einig, dass ein durch den chronischen Alkohol
missbrauch vergiftetes und verändertes Gehirn Vorbedingung ist, ohne
die die gedachten Autotoxine nicht wirksam werden können. Nun be
stehen alle in Betracht kommenden Organveränderungen und Stoff
wechselstörungen ausser beim Delirium, auch bei allen möglichen Trin
kern, die kein Delirium haben und ebenso bei anderen Alkoholpsychosen,
ausserdem aber nicht bei allen Deliranten in besonderer Ausbildung.
Man kommt dann doch wieder zu der Annahme, dass das Gehirn in
besonderer Weise vorbereitet und verändert sein muss, damit diese Auto
toxine ein Delirium produciren, d. h. es wären dann schon die Gehirn
veränderungen das Wesentliche und die Autotoxine nebensächlich, oder
man müsste sich auf den Standpunkt von Raimann stellen, der für
jedes Stoffwechselgift bei Trinkern eine besondere Psychose ansetzt. Auf
Grund welcher objectiven Befunde auch nur im geringsten dazu eine
Berechtigung vorliegt, ist mir nicht bekannt geworden. Zudem mehren
sich ja auch die Stimmen derer, die die Annahme vertreten, dass die
körperlichen Erscheinungen des Delirium tremens alle oder doch gröss-
tentheils central bedingt sind, so z. B. auch die Albuminurie, so dass
diese Störungen nur Begleit- oder Folgeerscheinungen, aber nicht Ursache
des gesammten Krankheitsprocesses sein können. Meines Erachtens sind
auch die Erscheinungen des Delirium tremens sehr wohl als Folgen
einer Steigerung der chronischen Alkoholvergiftung zu erklären und
stehen in gutem Einklang zu dem, was wir bisher über die patholo
gische Anatomie wissen. Hat es doch den Anschein, als ob die durch
chronischen Alkoholmissbrauch hervorgerufenen Störungen, vor Allem
die Neigung zu capillaren Apoplexien, im Delirium nur eine Steigerung
und erhöhte Intensität aufweisen.
Döllken nimmt nach Flechsig an, dass im Gehirn Stoffwechsel-
producte der Hirnzellen selbst aufgespeichert werden, die bei gewisser
Concentration zu einer heftigen Entladung führen, und dass gerade
Alkohol einen pathologischen Stoffwechsel der Zelle hervorrufe. Die
Entladung soll durch äusseren Austoss erfolgen.
Es entstehen durch den fortgesetzten Alkoholmissbrauch naclige-
wiesenermaassen Veränderungen wohl an allen Organen des Körpers,
nicht zum wenigsten am Gehirn. Man wird sich vorstellen können, dass
es jedoch zunächst dem Organismus gelingt, sich dem durch die fort
gesetzte Alkoholzufuhr geschaffenen und veränderten Verhältnissen an
zupassen, wie wir ja überhaupt die ausgedehnte Fähigkeit des Körpers

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