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im Spiel, jedoch will er das Delirium nicht als Steigerung der einfachen
Alkoholvergiftung gelten lassen. Jacobson, der das Delirium als Auto-
intoxication erklären will, nimmt an, dass diese Selbstvergiftung durch
den Pneumococcus, von der Leber, den Nieren oder dem Magendarm-
tractus ausgehe, dass dies das Plus sei, welches bei dem durch chro
nischen Alkoholmissbrauch vergifteten Gehirn das Delirium auslöse.
Kauffmann sieht in dem Alkohol ein Gift, das besonders auf die
Medulla oblongata einwirke und von da aus Stoffwechselstörungen er
zeuge, die ihrerseits wiederum zum Delirium Veranlassung geben sollen.
Hertz sucht die Herkunft des supponirten Giftstoffes in einer durch
acute Nephritis hervorgerufenen Insufficienz der Nierenfunction, ausgehend
von der irrthümlichen Behauptung, dass bei jedem Delirium sich auch
Albuminurie finde. Raimann (106) will sogar eine Vielheit von Gift
stoffen bei Alcoholismus chronicus behaupten, von denen einer das De
lirium, ein anderer den Korsakow’schen Symptomencomplex, ein dritter
die Polioencephalitis acuta superior u. s. f. verursachen soll.
Für eine acute Exacerbation der chronischen Alkoholvergiftung sind
Krukenberg, Liepmann, Rose. Griesinger sieht das Delirium als
Entwicklungsstadium des Alcoholismus chronicus an, Kirchhoff (65)
als verhältnissmässig flüchtige Theilerscheinung der chronischen Alko
holvergiftung und Näcke als episodisches oder intercurrentes Leiden
im Verlaufe desselben, als acute Iutoxicationspsychose. Als eine solche
bezeichnet auch Wernicke das Delirium. Heiberg(52) nimmt eben
falls Intoxication an. Er sucht als Grundlage für die Gruppirung der
psychischen Störungen die chemische Verwandtschaft der Gifte heranzu
ziehen (Fettkörper, aromatische Verbindungen, Alkaloide).
Wegen mancher Aehnlichkeit im Verlaufe ist auch der Gedanke
erwogen worden, ob es sich nicht um eine Infectionskrankheit handeln
könne. Unter Anderem ist damit nicht vereinbar, dass nicht alle Fälle
mit Fieber verlaufen. Nonne (98) hat auch bei 15 daraufhin unter
suchten Fällen das Blut, wie zu erwarten, steril gefunden.
Es fragt sich nun, ist man durch die Autointoxicationstheorie dem
Verständniss für die Ursachen des Deliriums näher gekommen oder ist
unser Wissen dadurch ein Besseres geworden? Meines Erachtens in
keiner Weise! An Stelle der einen Unbekannten ist nur eine andere
getreten, die aber in ihrem wohlklingenden Namen die Gefahr birgt,
den Anschein zu erwecken, als ob sie etwas Bekanntes darstellte. Wie
man sich aber diese Autointoxication denken soll, worin sie in letzter
Linie besteht und von wo aus sie zu Stande kommt, ist unklar. Bald
sollen in der Leber, bald in den Nieren oder im Magendarmtractus
Functionsstörungen und dadurch erzeugte Stoffwechselgifte die Ursache

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