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dass in dem für das Delirium hauptsächlich in Betracht kommenden
Alter die Mehrzahl der Männer verheirathet ist und daher auch bei den
Deliranten diese überwiegen.
Auch klimatischen Einwirkungen hat man Einflüsse auf die
Häufigkeit des Deliriums beigelegt. Nach ßonhoeffer soll das Maxi
mum der Erkrankungen in die Monate Jnli bis August fallen. Er glaubt,
dass die verlangsamte Oxydation Schuld trage und zieht zum Vergleich
die intensive Alkoholwirkung in den Tropen heran. Auch Kraepelin
sah mehr Erkrankungen im Sommer als im Winter. Nach Friedrich
liegt der Höhepunkt in den Sommermonaten besonders Juli, nach Did-
jurgeit im September und October, nach Näcke im August bis Novem
ber. Aus der Statistik von Siemerliug vermag ich kein bestimmtes
Ueberwiegen der Krankheitsfälle in einzelnen Monaten festzustellen,
ebenso ist in den 6 Jahren der hiesigen Klinik weder in der absoluten,
noch der relativen Aufnahmezahl für die einzelnen Monate eine Regel
mässigkeit festzustellen, jedenfalls auch nicht für die Sommermonate.
So betrug im Juli des warmen Sommers 1 ) 1905 und 1906 die Zahl der
Deliranten auf der Männerseite nur je zwei, bei 81 bezw. 50 Aufnahmen,
im kalten Juli 1907 dagegen 10 auf 72. Wenn Mendel (86) das De
lirium als Krankheit besonders des gemässigten Klimas bezeichnet, so
hängt dies wohl mehr damit zusammen, dass die Südländer im Allge
meinen mässiger im Trinken sind.
Bonhoeffer nimmt mit Huss an, die Ursache der zahlreicheren
Erkrankungen im Sommer sei vielleicht darin zu suchen, dass der
Arbeitsverdienst im Winter geringer und in Folge dessen auch der Alko
holgenuss kleiner sei. Gerade dieser Umstand, der für andere Städte
möglicherweise in Rechnung zu setzen ist, könnte vielleicht erklären,
warum in Kiel die Zahl der Erkrankungen so wechselnd ist. Die Mehr
zahl der Deliranten sind Arbeiter und Handwerker, die auf den Werften
und verwandten Betrieben beschäftigt sind, deren Verdienst und Arbeits
gelegenheit richtet sich nicht nach der Jahreszeit, sondern der Menge
der vorhandenen Aufträge und ist ferner von gelegentlichen Streiks und
den dadurch verursachten Aussperrungen beeinflusst.
Von den verschiedenen Berufen stellte den Hauptantheil die
arbeitende Bevölkerung, bei der ausser dem vorwiegenden Schnaps
trinken vor Allem wohl auch die weniger günstigen Lebensbedingungen
einen wesentlichen Factor ausmachen. Vor Allem findet man in den
1) Nach den statistischen Monatsberichten der Stadt Kiel ist für den
Juli das normale Temperaturmittel 17,0 C. Es betrug 1905 17,7°, 1906: 17,0;
1907 = 14,6°.

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