43
sie in ganz anderem Maasse den Gefahren des Alkohols ausgesetzt sind.
Wo bei der weiblichen Bevölkerung der Missbrauch alkoholischer Ge
tränke verbreiteter ist, finden wir auch zahlreichere Erkrankungen. In
der hiesigen Gegend, die eine erhebliche Zahl von Gewohnheitstrinkern
aufweist, sind Trinkerinnen verhältnissmässig selten. Unter den 284 Fällen
von Delirium, die seit October 1901 bis 31. December 1907 in der Klinik
behandelt wurden, befanden sich nur 5 Frauen, unter diesen 2 Puellae,
bei denen ja der Beruf das Trinken mit sich bringt. Das sind in Pro-
centen ausgerechnet für:
Kiel
pCt. M.
98,24
pCt. F.
1,76
Es werden angegeben für
Königsberg (Didjurgeit von 1874—94) .
97,63
2,37
Hamburg (Krukenberg) (excl.Puellae 1890)
96,3
3,7
Hamburg (Hasche-Kliinder) (1903—05)
97,35
2,65
München (Kraepelin) (1905)
96,15
3,85
Berlin (Moeli-Lichtenberg) (1893—99)
93,1
6,9
Basel (v. Speyr) (1876—78)
91,23
8,77
Brüssel (ViIlers)
85,4
14,6
Bonhoeffer rechnet unter seinen Deliranten
70 pCt.
Psychopath
heraus, Moeli 47,10 pCt. erblich durch Potus Belastete, während
Ziehen annimmt, dass bei Delirium die erbliche Belastung weniger in
Betracht komme. Krukenberg führt auf unter 107 Fällen 50 mit
neuropathischer Disposition, 44 mit neuropathischer Belastung, bei 21
Fällen (20 pCt.) Vater am Trunk gestorben. Bei v. Speyr beträgt die
Zahl der erblich Belasteten die Hälfte, bei denen mit epileptischem
Anfall eingeleiteten Delirien sogar 2 / 3 , bei denen mit fieberhaften Er
krankungen complicirten sollen Erblichkeit und Menge des genossenen
Alkohols geringer sein.
Es scheint ja der Schluss sehr naheliegend und verständlich, dass
Menschen, deren Gehirn an und für sich schon weniger widerstandsfähig
ist, eher den schädlichen Wirkungen des Alkohols erliegen werden.
Auch hier ist man fast ausschliesslich auf die Angaben der Patien
ten und ihrer Familien angewiesen und wird daher kein Bild erhalten,
das auch nur einigermaassen den thatsächlichen Verhältnissen entspricht.
Von meinen 226 Kranken geben 62 an, dass der Vater, drei, dass der
Grossvater Trinker gewesen, bei 2 war es die Mutter, bei 3 beide Eltern,
in der directen Ascendenz also 70mal, rund 31 pCt., bei vielen waren
ausserdem in der Familie noch mehr Trinker. Geisteskrankheiten in
der directen Ascendenz sind 8 mal zugegeben, Geisteskrankheiten und

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.