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gegen früher zugenommen, so dass der Verdacht, dass auch dort Brannt
wein neben den anderen landesüblichen Getränken beim Delirium eine
Rolle spielt, nicht so ganz zu verwerfen ist. Bei meinem Material han
delt es sich ganz vorwiegend oder ausschliesslich um Schnapstrinker.
Die bevorzugte Sorte ist hier der Doppelkümmel, daneben wird Grog,
Kaffeepunsch und Flaschenbier mit Vorliebe genommen. Ein täglicher
Consum von 40 bis 50 Pfg. Schnaps ist noch nichts Besonderes und
man geht wohl nicht fehl in der Annahme, dass der Verbrauch bei
Jemandem, der 50 Pfg. zugiebt, meist ein höherer ist. Von 125 Patien
ten besitze ich Angaben über ihr Trinken. 5 wollen für weniger als
30 Pfg. täglich Schnaps trinken, 15 für 30 bis 40 Pfg., 20 für 40 bis
50 Pfg., 31 für 50 bis 70 Pfg., 21 für 70 bis 100 Pfg., 12 für 1 Mk.
bis 2 Mk. und 2 mehr als für 2 Mk. 6 gaben 1 Liter, 5 l 1 ^ Liter
als ihr Quantum an, einer soll sogar 3 Liter getrunken haben. Dazu
kommt bei vielen noch Bier, Grog, „Liqueur“, Kaffeepunsch und ähn
liches, was hier im Allgemeinen nicht zum „Alkohol“ gerechnet wird.
Dass nicht nur die schlechten Getränke zum Delirium führen, zeigte
der Fall des Inhabers einer besseren Weinstube, der allmählich sein
bester Gast geworden war und als dessen Hauptgetränke Cognac, Port
wein, Madeira und Grog genannt sind. Zwei Kranke, ein Bierhändler
und ein Wirth sollen keine Schnapstrinker gewesen sein, sondern nur
Bier genossen haben, eine Angabe, die bei den hiesigen Verhältnissen
nur mit Reserve aufzunehmen ist.
Die Frage, welche Alkoholmenge nothwendig ist, um das Delirium
hervorzurufen und wieviel man regelmässig trinken kann, ohne ein sol
ches zu bekommen, ist wohl unlösbar und neben den äusseren Umstän
den vor Allem von der persönlichen Disposition abhängig. Mancher,
der nie besonders als Trinker aufgefallen, vor Allem nie betrunken war,
macht schliesslich das Delirium durch, während andere, die Jahr aus,
Jahr ein die unglaublichsten Alkoholmengen vertilgen, davon verschont
bleiben. Sicherlich ist es unrichtig, dass Jeder, der über ein gewisses
Quantum regelmässig trinkt, über kurz oder lang ein Delirium bekom
men mügse.
Das Delirium befällt unter gleichen Bedingungen, soweit
bekannt das männliche und weibliche Geschlecht oh ne besonde
ren Unterschied. Bonhoeffer glaubt sogar, dass die Frauen eher in
schwererer Weise erkranken, dagegen hat Villers bei 112 Frauen keinen
Todesfall, bei seinen Männern aber l 1 ^ pCt., Friederich sah keinen
Unterschied. Naecke hält das Frauendelirium für leichter und Ab
ortivfälle für die Regel. Naturgemäss nehmen die Männer absolut ge
rechnet in ganz überwiegender Mehrzahl an der Erkrankung Theil, da

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