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sich in dieser Zeit auch mehrfach hier vorgestellt. Etwa 1 j i Jahr nach
Aufhebung der Entmündigung soll er wieder mit Trinken angefangen
haben, einige Monate spater machte er in der Klinik ein typisches De
lirium durch. Ein anderer bekam 2 Monate nach Verbüssung einer
9monatigen Gefängnissstrafe ein Delirium, ein dritter mehrere Wochen
nach einer 2 1 / 2 monatigen Strafhaft.
Was die Art des genossenen Alkohols betrifft, so herrscht
darin Uebereinstimmuug, dass in allererster Linie dem Branntwein ein
unheilvoller Einfluss zukommt. E. Meyer (89) sieht die gesteigerte
Schädlichkeit in der Concentration des Getränkes und dem Zusatz von
ätherischen Oelen und Essenzen wie Absinth und Wermuth. Auch
Ziehen erblickt in der Mischung mit Absinth einen wesentlichen Fac
tor, während Aschaffenburg und Moeli (91) denselben für bedeutungs
los erachten. Fürstner (40) glaubte, von Nordhäuser besonders heftige
motorische Erscheinungen im Delirium beobachtet zu haben. Näcke
hält die Concentration für unwesentlich, dagegen auch die ätherischen
Oele für besonders verderblich, ferner die Mischung von vergorenen
und destillirten Getränken, ausserdem aber auch die den billigen Brannt
weinsorten beigemengten Fuselöle, vor Allem den Amylalkohol; darin
stimmen ihm bei Jaksch, Mendel, Salgö und Ziehen; auch Uht-
hoff sah bei Wein- und Biertrinkern selten Sehstörungen, während
Bouhoeffer, Jacobsohn, Meyer, Rose und Sommer(128) den
höherwerthigen Alkoholen keinen nennenswerthen Antheil einräumen
wollen. Nach Baer(7) steigt die Giftigkeit des Alkohols mit dem
Siedepunkt, aber nicht derartig, dass man die Fuselöle als den vorzugs
weise schädlichen Factor bezeichnen könnte. Kraepelin scheint es
zweifelhaft, ob Wein und Bier allein das Delirium verursachen können,
auch Bouhoeffer glaubt, dass immer Schnaps dabei sein müsse. Nach
Rose soll zwar sogar Apfelwein und Obstmost gelegentlich zum Delrium
führen; Gudden(49) hat ein paar Fälle von Bierdelirum beschrieben,
bei denen aber der ausschliessliche Biergenuss nur durch anamnestische
Angaben bestätigt ist. Jedenfalls treten alle diese ausserordentich an
Häufigkeit zurück hinter dem Schnapsdelirium. Dabei ist noch zu be
rücksichtigen, dass man hinsichlich des genossenen Alkohols vorwiegend
auf die Angaben der Kranken oder ihrer Angehörigen angewiesen und
damit de,n weitgehendsten Irrthümern ausgesetzt ist. Vor Allem gilt
es, zumal in social etwas besser gestellten Kreisen, für weniger an-
stössig, Wein und Bier in grossen Quantitäten zu vertilgen, als ein
Schnapssäufer zu sein und es wird jenes daher eher zugegeben, dieses
aber auf das Entschiedenste bestritten. Zudem hat der Schnapsver
brauch auch in den sogenannten Wein- und Biergegendeu entschieden

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