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tisch für das Delirium. Wenn auch die Befunde noch nicht ganz ein
wandsfrei sind, glaubt er doch, dass eine pathologische Wahrscheinlich
keitsdiagnose aus der Summe der Erscheinungen möglich sei. Er weist
auch hin auf die nahen Beziehungen, die im anatomischen Bilde zwi
schen diesen schweren Deliriumsfällen mit der Polioencephalitis acuta
superior W’ernicke’s bestehen. Wernicke selbst hat dabei schon
kleine Blutungen in der Gegend des III. Ventrikels, des Aquaeductus
und des IV. Ventrikels beschrieben. Zwei Fälle von Polioencephalitis
in Verbindung mit Delirium sind von Thomsen(131) untersucht, es
handelt sich bei diesen um complete Augenmuskellähmungen in Folge
von Blutung in der Kerngegend. Eine ähnliche Beobachtung liegt von
Boedecker (18) vor, der jedoch die Lähmung nicht durch die Blutung
direct erklärt, sondern für durch toxische oder infectiöse Einflüsse be
dingt hält. Das Bild einer Polioencephalitis bot ferner ein Delirant
Raimann’s (107), der wieder genas, wenn auch mit leichtem Defect.
Bei gleichen Fällen, die zum Exitus kamen, fand er zahlreiche Blutun
gen im centralen Grau, dem III. Ventrikel, Aquaeductus und IV. Ven
trikel. Alzheimer hat am Gehirn von zwei im Delirium febrile
Magnan’s verstorbenen Kranken schwere Veränderungen nachgewiesen.
Ausser den der chronischen Alkoholvergiftung zuzurechnenden Verände
rungen zeigten sich besonders die Beetz’sclien und Purkinje’schen
Zellen betroffen, fast allgemeine leichte Wucherung der Gliazellen, ein
zelne in Theilung, in der Rinde zahlreiche kleinste Blutungen und
schwere Degeneration der Capillaren. Nirgends Entzündung, kein Mark
faserschwund und keine erheblichen Veränderungen im centralen Höhlen
grau, der Kernregion, dem Rückenmark und den untersuchten peripheren
Nerven. Trömner fand auch bei uncomplicirten Delirien Veränderungen
an allen Bestandtheilen des Ceutralnervensystems, nur quantitativ und
qualitativ verschieden. Er nimmt au, dass die Mehrzahl chronischer
Natur, durch den Alkoholismus verursacht sei, die Minderzahl acut als
zum Delirium gehörig. In jüngster Zeit hat Schröder einen einschlä
gigen Fall beschrieben und zugleich die Literatur zusammengestellt. Er
fand capillare Blutungen im gesammten Centralnervensystem, hebt auch
mit Recht hervor, dass der Name Encephalitis nicht zutreffend sei, da es
sich nicht um Entzündung handelt, wie dies auch schon von Bonhoeffer
und Alzheimer betont worden ist. Nach Schröder ist die Gegend
unter der Vierhügelplatte zwar Prädilectionsstelle für die Blutungen,
doch können diese überall im Gehirn auftreten.
Es ist daher wohl die Annahme naheliegend, dass auch beim ein
fachen Delirium gerade diese kleinsten Blutungen eine erhebliche Rolle
spielen und vielleicht für einen grossen Theil der passageren Sym

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