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dium schon ganz erhebliche Störungen der psychischen Functionen sich
einstellen können, die unter Umständen wohl geeignet sind, die Zurech
nungsfähigkeit des Betreffenden schwer zu schädigen oder ganz aufzu
heben. So ist mir ein Fall bekannt geworden, in dem ein Geschäfts
mann in dieser Zeit falsche Eintragungen in seine Bücher gemacht hatte,
und der deshalb exculpirt wurde.
Pathologische Anatomie.
Ueber die pathologische Anatomie liegen aus früherer Zeit fast nur
Berichte über makroskopische Veränderungen vor, die vorwiegend weni
ger auf Rechnung des Deliriums als auf die des chronischen Alkohol
genusses zu setzen sind. Venöse Hyperämie und Oedem sollen nach
Krafft-Ebing (68) dem Delirium zuzuschreiben sein, auch Schüle fand
bei Delirium febrile diese Veränderungen und erwähnt zudem noch das
gelegentliche Auftreten von capillaren Apoplexien. Rose nimmt an,
dass das Oedem um so stärker sei, je mehr der Tod im Delirium selbst
erfolgt sei. Ebenso besteht nach Kraepelin öfters hochgradige venöse
Stauung und Hyperämie. Anatomisch nichts Charakteristisches fanden
Cramer, Jacobson, Näcke und Krukenberg, ebenso halten Kranz
felder (75) und Kürbitz (78) die von ihnen beobachteten chronischen
und acuten Veränderungen des Gehirns nicht für charakteristische Merk
male des Deliriums. Wernicke wies auf eine gewisse Verwandtschaft
mit den Befunden bei Paralyse hin, er beschreibt beginnenden Markzer
fall in den Radiärfasern, besonders in der Rinde der Centralwindungen
und dem Broca’scken Sprachcentrum, sowie im Marklager des Vermis
und weniger ausgesprochen in den Pyramiden- und Hintersträngen des
Rückenmarks.
Genauere Untersuchungen aus neuerer Zeit liegen vor Allem vor
von Bonhoeffer (15, 16), Alzheimer, Raimann(106, 107), Tröm-
ner(134) und Schröder (118). Nach Bonhoeffer ist der Blutgehalt
entweder unverändert oder es besteht Hyperämie, selten Anämie. Es
lässt sich bei schwerem Delirium ein das Grosshirn in diffuser Weise
betreffender degenerativer Process nachweisen, der gelegentlich in den
Central Windungen stärker ist, ebenso zeigt das Marklager des Kleinhirns
besonders des Oberwurms stärkere degenerative Veränderungen; aus
dem gleichzeitigen Befund im unteren Kleinhirnschenkel, den Hinter
strängen, besonders den Goll’schen, und deren Kernregion schliesst er
auf Schädigung der centripetalen Bahnen zum Kleinhirn. Eine Prädi-
lectionsstelle für zahlreiche frische Hämorrhagien bildet das Höhlengrau,
sowie der III. Ventrikel und der Aquaeductus. Die im Nisslbild sich
darbietenden Zellveränderungen hält er dagegen nicht für cliarakteris-

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