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an diesen, bald an jenen. Besonders von Chotzen(23) und Moskie-
wicz (96) sind eine Reihe solcher Fälle beschrieben. Es mischen sich
dann den späteren Krankheitsattaquen fremdartige Züge bei, wie wir
das ja z. B. auch bei den spätereu Anfällen im circularen Irresein ge
legentlich zu beobachten Gelegenheit haben. Häufig sind es stark para
noische Beimischungen mit Neigung zur Systematisirung. Das Beschäf
tigungsdelirium ist nicht so ausgesprochen, der ganze Verlauf bekommt
einen mehr intermittirenden Charakter, es besteht oft eine gewisse
Stumpfheit, die Orientirung wird zuweilen nur vorübergehend gestört,
auch zeigen gerade diese Formen mehr Neigung, nicht mehr völlig ab
zuheilen, es tritt keine rechte Krankheitseinsicht ein, oder es bleibt ein
Iritelligenzdefect zurück, oder es entwickelt sich der Korsakow’sche
Symptomencomplex. Ich verfüge auch über 2 Fälle, bei denen einem
typischen Delirium ein atypisches folgte und später eine chronische
Psychose auf alkoholistischer Grundlage sich entwickelte. Wenn solche
atypischen Fälle auch Grenzfälle sind und oft eine Abtrennung sehr
erschweren, muss meines Erachtens eine solche doch nach Möglichkeit
angestrebt werden, vor Allem sollte vermieden werden, unter atypische
Fälle Krankheitsbilder einzurangiren, die überhaupt nicht zum Deli
rium tremens gehören oder der acuten Alkohol-Paranoia bezw. der Hal-
lucinose der Trinker näher stehen und klinisch auch besser dahin passen.
Nur so wird es möglich sein, unter dem Namen Delirium tremens ein
gut umgrenztes Krankheitsbild mit einigermaassen bestimmter Prognose
zusammenfassen zu können. Ich halte es daher für erforderlich, an
dieser Stelle auf einige Veröffentlichungen einzugehen, die geeignet
scheinen, in den Begriff des Delirium tremens Verwirrung zu bringen,
theils durch Abtrennung von Symptomen, die zu dieser Erkrankung ge
hören, theils durch Hinzufügen von dem Delirium fremden Krankheits
gruppen.
So sind von Hasche-Klünder eine Reihe atypischer Delirien be
schrieben, die wohl eher in den folgenden Abschnitt seiner Arbeit „deli
riumsähnliche Zustände“ gepasst hätten. So berichtet er über einen
Fall nach Apoplexie mit linksseitiger Lähmung. Deliriöse Zustände
nach derartigen organischen Schädigungen sind nicht so selten, sind
aber keine eigentlichen Alkoholdelirien. Bei einem anderen an chroni
scher Nephritis leidenden Patienten brach nach Abbruch derselben am
9. Tage ein atypisches Delirium aus; abgesehen davon, dass die nach
dem letzten Alkoholgenuss verflossene Zeit schon zu lang ist, liegt nach
der ganzen Situation die Annahme eines urämischen Delirium viel näher.
Ein Epileptiker, der 3 Tage im Stupor gelegen, wurde darauf sehr
aggressiv und äusserte Grössenideen, die Dauer betrug 7 Tage, keine

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