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vielen epileptischen Anfällen besonders schreckhafte und erregte Delirien
durchmachten, nach v. Speyr sind bei diesem die körperlichen Symptome
schwerer, Fieber und Rückfälle häufiger, die Gefühlstäuschungen präg
nanter und die Dauer eine längere. Letzteres fand ich bei meinen
Kranken in etwa der Hälfte bestätigt. Die Durchschnittsdauer des ein
fachen Deliriums bei nicht Epileptikern betrug 2,9 Tage, bei Epileptikern
3,36 Tage. Im Uebrigen konnte ich aber wesentliche Unterschiede
nicht feststellen, besonders ängstliche und schreckhafte Hallucinationen
überwogen keineswegs bei den Epileptischen, auch die Erscheinung von
Gespenstern, Leichen, Teufeln und Engeln sowie besonders bizarre
Sinnestäuschungen waren bei beiden Arten von Deliranten gleichmässig
vertreten. Ebenso vertheilen sich die besonders gewaltthätigen und
erregten Kranken ziemlich gleich auf beide Gruppen. Eine Differenz
bestand nur insofern, als bei Kranken, die im Delirium einen epileptischen
Anfall erlitten, hinterher vorübergehend Schlaf oder tiefere Benommenheit
eintraten, die aber bald dem gewöhnlichen Verhalten wieder Platz
machten.
Eigentliche Recidive sind selten, ich beobachtete sie nur zweimal.
Bei dem einen Kranken war nach dem Schlaf völlige Klarheit einge
treten. In der nächsten Nacht schlief er unruhig, wohl in Folge einer
sich entwickelnden Otitis externa. Am darauf folgenden Nachmittag
wurde er wieder ängstlich, unruhig und hallucinirte. Nach ein paar
Stunden stellte sich Schlaf ein, der zur definitiven Heilung führte. Bei
dem zweiten Patienten entwickelten sich nach Ablauf des Deliriums
rheumatische Gelenkschwelluugen, und im Anschluss daran ein erneutes
Delirium. Andere Fälle von mehr protrahirtem Verlaufe, bei denen sich
zwischendurch Schlaf und Beruhigung einstellten, die aber dann doch
wieder weiter delirirten, möchte ich nicht hierher rechnen, da bei ihnen
die Orientirung in der Zwischenzeit nicht wiedergekehrt war.
Besonders hervorzuheben sind im Symptomencomplex des Deliriums
die beiden äussersten Formen, die leichte sowie die schwere.
In einer Reihe von Fällen kommt es nicht zur vollen Entwicklung
des Krankheitsbildes, es bleibt vielmehr bei den Erscheinungen des
Vorstadiums, ohne dass man vorher erkennen könnte, ob ein voll
ständiges Delirium sich noch entwickeln wird oder nicht. Diese
Delirien nennt mau nach dem Vorgang von Naecke und Bonhoeffer
zweckmässig Abortivdelirien und grenzt gegen diese den Ausbruch des
vollentwickelten Deliriums mit dem Beginn der Desorientirtheit ab.
Die Dauer solcher Abortivdelirien kann eine sehr wechselnde sein, wie
ja auch das Vorstadium sich auf Tage oder Wochen erstrecken kann.
Von denselben sind aber zu trennen kurz verlaufende Delirien. Man

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