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geltend. Die Kranken versinken dann auch gewöhnlich wieder in
erneuten Schlaf. In einer Minderzahl von Fällen bleiben aber auch
nach dem definitiven Erwachen einzelne Wahnideen bestehen und es
überrascht dann, wie fest oft diese Kranken an der Thatsächlichkeit
ihrer vermeintlichen Erlebnisse festhalten, auch wenn dieselben der
widersinnigsten Art sind, sehr im Gegensatz zu dem sonst schon völlig
geordneten und einsichtigen Wesen. Diese Residuärideen verlieren sich
in einigen Tagen, eine wahnhafte Verarbeitung oder Systematisirung
erfahren sie im gewöhnlichen Delirium nicht. Vereinzelt heilt das
Delirium nicht mit dem Schlaf, sondern mehr allmählich tritt Klarheit
ein, auch ohne dass es zu einer längerer Schlafperiode käme. Plötzliche
Genesung mit dem Schlafe trat ein bei 205 meiner Kranken, ein mehr
allmähliches Verschwinden bei 22. Bei 10 Patienten blieb die Ein
sicht für das Krankhafte der Confabulationen noch ein oder mehrere
Tage aus, bei einem kehrte Einsicht dafür erst nach 10 Tagen wieder.
Nur bei einem traten nach dem Schlafe noch Visionen bei sonst völliger
Klarheit auf, die sich dann in den nächsten Tagen verloren.
Die Dauer des Deliriums wird ziemlich verschieden angegeben,
es spielen dabei wohl auch regionäre Unterschiede eine Rolle. Bon-
hoeffer setzt für die nicht complicirten, meist leichter verlaufenden
Anfälle bei in der Haft Erkrankten 2—3 Tage an, während er sonst 3
bis 5 Tage rechnet; ähnliche Werthe fanden Krukenberg (2—5),
Oppenheim (3—6), Jacobson 2—5 Tage ohne Vorstadium, Feld
mann (38) 3—4, Didjurgeit (30) 5 Tage. — Mendel nimmt für
leichte Fälle 4—5 Tage, meist aber 1—2 Wochen an; dabei ist aber
wahrscheinlich das Vorstadium einbegriffen. 2—10 Tage geben Cramer
und Ziehen an. Eine Dauer von über einer Woche ist nach Bon-
hoeffer ungewöhnlich. Während Jacobson für die complicirten Fälle
keine längere Dauer behauptet, verlaufen dieselben nach v. Speyr er
heblich langsamer (über 10 Tage).
Hier in Kiel dauerten die einfachen Delirien im Durchschnitt
3,25 Tage, die Abstinenzdelirien 2,45 Tage und die mit Infections-
krankheiten und schweren Verletzungen complicirten fast 4 Tage. Ich
habe unter-'letzteren aber auch je einen Kranken mit einer Unterarm-
und einer complicirten Unterschenkelfractur, die nur */ 2 Tag delirirten
und einen mit Pneumonie mit eineinhalbtägigem Delirium.
Kurzer Erwähnung bedarf noch die Frage, ob den Delirien, die
mit epileptischen Anfällen verbunden sind, Besonderheiten
zukommen. Nach Pilcz besitzen die von epileptischen Insulten ein
geleiteten Delirien eine specifische Färbung: Schreckhafte Ilallucinationen,
wie Feuer, Teufel, Hölle; auch Krukenberg glaubt, dass Leute mit

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