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Hause in letzter Zeit fast nichts zu sich genommen, zeigte sich im
Delirium in der Klinik in der Regel ein ganz leidlicher, oft sogar ein
guter Appetit. Eine erhebliche Gewichtsabnahme war dementsprechend
in der Mehrzahl der Fälle von einfachen Delirien nicht zu constatiren,
öfters sogar eine leichte Zunahme. Vereinzelt kamen stärkere Gewichts
verluste, in 3 Fällen bis zu 5 kg, vor.
Ueber Lumbalpunctionen ist nicht viel in der Litteratur berichtet;
man wird im Allgemeinen auch Bedenken tragen müssen, bei so
unruhigen Kranken eine solche anzunehmen. E. Meyer (88) hat bei
13 Alkoholisten (Del., Korsakow, Ale. chron.) den Liquor untersucht,
11 mal mit negativem Resultat, bei einem mit gleichzeitiger Lues fand
sich Lymphocytose, bei einem anderen mit Pupillenstörung Lympho-
cytose und Trübung bei der Guillaint-Parant’schen Magnesiumsulfat
probe. In den 7 Fällen von Ale. chron., die Henkel (54) veröffentlicht
hat, bestand niemals Lymphocytose, 2 der Kranken hatten kurz vorher
ein Delirium durchgemacht. Ich selbst verfüge noch über 2 Delirium
fälle und 2 chronische Alkoholisten. Von den ersteren wurde der Eine,
dessen Delirium in Korsakow überging, 4 Tage nach dem Delirium
punctirt, der Andere, der ein protrahirtes Delirium hatte, während
desselben. Bei Beiden bestand leichte Opalescenz, keine Lymphocytose.
Bei den Alkoholisten war der Befund ganz negativ. Bei 2 post mortem
punctirten Deliranten bestand ebenfalls keine Lymphocytose, bei einem
Opalescenz.
Es ist mehrfach der Versuch gemacht worden, das Delirium in
seinem Verlauf in verschiedene Stadien einzutheilen, was jedoch
bei dem äusserst wechselvollen Bilde auf erhebliche Schwierigkeiten
stösst. Bonhoeffer nimmt den Aflfect als Grundlage und unterscheidet
dann 3 Stadien: Im Beginn Ueberwiegen der Angst, dann mit Zunahme
der Verwirrtheit mehr heitere Stimmung und gegen Ende ein Abklingen
aller Erscheinungen.
Mir scheint am ehesten eine Gliederung in 4 Abschnitte erkennbar.
Ein Vorstadium, ein Stadium des Anstiegs, ein Höhestadium und ein
Stadium des Abklingens der Erscheinungen. Eine scharfe Abgrenzung
derselben isf naturgemäss nicht möglich, vielmehr gehen dieselben
fliessend in einander über, zuweilen ist das eine oder andere auch nur
angedeutet. In keinem unserer Fälle von einfachem Delirium, in dem
eine Anamnese zur Verfügung stand, fehlte das sogenannte Vorstadium,
das sich meist über einige Tage, aber manchmal auch über 1 und
mehrere Wochen hinzieht. Der Schlaf wird schlecht, die Kranken
fahren erschreckt auf, eine gewisse Unruhe und ängstliches Gefühl mit
allgemeinem Unbehagen machen sich geltend, bei vielen stellt sich jetzt

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