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gemäss eine Steigerung der Pulszahl sich einstellt, aber auch ohne dies
beobachtet man sehr hohe Zahlen, besonders scheint mir dabei auch
der Affect eine grosse Rolle zu spielen. Gerade bei ängstlichen
Deliranten ist der Puls meist sehr schnell und klein. Auch Bonhoeffer
legt auf motorische Erregung und Affect den Hauptwerth. — Ueber
100 Schläge in der Minute gezählt wurden bei 151 meiner Kranken,
thatsächlich ist auch diese Ziffer jedenfalls noch viel zu niedrig, da bei
sehr vielen keine regelmässigen Zählungen vorgenommen wurden und
oft nur eine einmalige Untersuchung vorliegt. Puls unter 70 ist nur
vereinzelt verzeichnet. Aus den nicht sehr zahlreichen darüber mir zu
Gebote stehenden Aufzeichnungen über das Verhalten nach Ablauf des
Deliriums geht ferner hervor, dass in einem Theil der Fälle wenigstens
mit Schluss des Anfalles ein erhebliches Absinken des Pulses, bis unter
die Norm, stattfindet, wie dies auch von anderer Seite angegeben wird.
Blutuntersuchungen bei Deliranten sind ausser von Nonne (9S) vor
allem von Eisholz (34) angestellt, der auf der Höhe des Deliriums
stets ein pathologisches Ueberwiegen der polynucleären über die mono-
nucleären Leukocyten fand. Dieses Verhältniss kehrte sich nach dem
Delirium um, wenn auch die Polynucleären in der absoluten Mehrzahl
blieben, und erreichte erst nach Wochen die Norm wieder. Die Eosino
philen sollen ganz fehlen oder doch eine Verminderung erfahren, und
erst bei Ablaufen des Deliriums wieder zunehmen. Eisholz glaubt
sogar aus seinen Befunden schliessen zu können, dass nur für die
Gegenwart Desorientirung bestehe bei den Fällen, wo eosinophile Zellen
nicht ganz fehlen, dagegen bei völligem Schwinden derselben auch die
retrograde Orientirung verloren sei. Ich glaube jedoch kaum, dass aus
dem Blutbefunde so weitgehende Schlüsse abzuleiten sind. Nach
Mendel soll das Blut erhöhten Fettgehalt zeigen, was jedoch von
Krukenberg bestritten wird. Ueber den Blutdruck liegen eingehende
Untersuchungen von Doellken vor, der denselben im Delirium erhöht
fand. Die Respiration soll nach Krafft-Ebing frequent sein, nach
Saig 6 ist sie meist normal, auch bei Fieber.
Wichtige Veränderungen finden sich ferner bei Deliranten im
Urin, und zwar in erster Linie eine mehr oder minder starke, transi
torische Albuminurie. Dass dieselbe eine häufige Begleiterscheinung
ist, ist wohl ziemlich allgemein anerkannt, nur Kauffmann (63) und
Schüle glauben, dass sie bei einfachen Delirien selten sei, und bei
diesen am häufigsten noch nach epileptischen Anfällen. Auch v. Speyr
fand sie häufiger in Verbindung mit Epilepsie, während Fürstner(41)
und Liepmann einen Einfluss derselben auf die Eiweissausscheidung
im Delirium leugnen. Nach Bonhoeffer ist sie auch unabhängig von

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