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Wie der Delirant erlebt der Träumer seine Geschichten entweder als
unbetheiligter Zuschauer oder als Mithaudelnder oder leidender Theil.
Auch im Traume ist das Bewusstsein der Persönlichkeit erhalten. Da
gegen ist es nicht selten, dass man sich nebenher noch in andere be
sondere frühere Lebensabschnitte versetzt glaubt, in die Schulzeit, in
ein Examen oder dergleichen, ohne dabei aber das Bewusstsein für die
thatsächliche Lebensstellung völlig einzubiissen. Aehnlich glaubten De
liranten mehrfach, sich wieder in ihre Militärzeit versetzt, einer, wie
erwähnt, dass er wieder in die Schule gehen müsse.
Die Störung des Bewusstseins ist auch in der Regel keine so tiefe,
dass die Kranken unsauber werden. Wenn es auch passiren kann, dass
sie den Drin oder Koth in’s Zimmer lassen, weil sie glauben auf dem
Closet oder auf der Strasse zu sein, so kommt es doch nicht zu einem
Schmieren mit den Excrementen. Ist dies aber der Fall, so ist wohl
stets die Schuld der mangelnden Beaufsichtigung und Pflege zuzuschrei
ben, zumal wenn Kranke ohne genügende Controlle isolirt sind.
Der Affect zeigt bei den Deliranten ebenso wie das sonstige psy
chische Verhalten grosse Schwankungen, sowohl in seiner Art als in
der Intensität.
Wenn auch manche Deliranten anscheinend ohne besondere Affect-
betonung sind und nur still vor sich hinarbeiten, so ist doch darin
Bonhoeffer zuzustimmen, dass der Hauptaffect, Angst, zu irgend einer
Zeit des Deliriums fast bei jedem Kranken auftritt; Bonhoeffer glaubt,
besonders im Beginn herrsche derselbe vor, auch schon zur Zeit, wenn
noch keine Sinnestäuschungen vorhanden sind, und bringt die Angst
besonders mit den somatischen Erscheinungen und der motorischen Un
ruhe mit ihren gesteigerten Anforderungen an das Herz in Zusammen
hang, während er den Hallucinationen an sich keine besondere Affect-
betonung zuschreibt. Auch Liepmann glaubt, dass die Angst das Pri
märe sei und erst den Inhalt der Hallucinationen bestimme, während
Kraepelin mehr Zusammenhang mit der Art dieser annimmt. Nach
Ziehen ist der Affect namentlich abhängig vom Inhalt der Sinnes
täuschungen, zugleich erkennt er auch primär bedingte Angst an und
vermuthet wte Bonhoeffer präcordialen Ursprung. Bei meinen Kran
ken war Angst jedenfalls der häufigste Affect. Besonders im Vorsta
dium, in dem Hallucinationen noch im Hintergrund stehen, ist sie wohl
am ehesten als primär zu denken, und zwar zunächst als Abstinenz
erscheinung, die auch sonst bei Trinkern nach der Entziehung von
Alkohol sich häufig einzustellen pflegt. Im späteren Verlauf des Deli
riums scheint mir aber die Angst fast ausschliesslich der Ausfluss der
durch die Hallucinationen geschaffenen Situation zu sein, Wenn es auch

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