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lange fesseln kann, wie unter anderen Wernicke annimmt, trifft sicher
nur für einen beschränkten Theil der Fälle zu. Als eine Folge der ge
ringen Aufmerksamkeit ist auch zu betrachten, dass die Patienten An
reden häufig ganz falsch verstehen, sowie dass die meisten nicht im
Stande sind, richtig zu lesen, sondern sich verlesen, und bald fortlassen
und bald beliebig dazuthun. Bei einer Reihe von Deliranten habe ich
Versuche mit dem Tachistoskop angestellt. Bei einigen war es nicht
möglich, die Aufmerksamkeit soweit und solange zu fesseln, wie erfor
derlich war, um den Versuch überhaupt auszuführen. Andere waren
dagegen sehr eifrig bei der Untersuchung. Zusammenstellungen von Buch
staben und längere Zahlen erwiesen sich im Allgemeinen als unbrauch
bar, da die Deliranten davon fast nichts auffassten. Bessere Resultate
wurden mit kleinen einfachen Bildern, wie Rad, Leiter, Hund erzielt.
Während aber, wie Controllversuche ergaben, von Gesunden diese Bilder
fast ausnahmslos richtig erkannt wurden, zeigten die Deliranten grosse
Neigung dieselben zu verwechseln. Besonders wenn mehrere Gegen
stände oder Thiere auf einem Bilde waren, sahen die Kranken etwas
ganz anderes, auch gaben einige an, auf einem leeren Blatt etwas ge
sehen zu haben, während sie bei längerem Zusehen den Irrthum er
kannten und dann auch fast ausnahmslos die Bilder richtig benannten.
Worte wurden fast stets falsch gelesen.
Auch bei dieser Art der Untersuchung liess sich feststellen, dass
der Grad der Aufmerksamkeitsstörung ausserordentlich bei verschiedenen
Deliranten schwankt.
Hand in Hand mit dem Mangel an Aufmerksamkeit und der da
durch bedingten schlechten und verkehrten Auffassung der Aussendinge
geht eine grosse Schwäche der Merkfähigkeit. Die Kranken haben oft
schon nach wenigen Augenblicken vergessen, was man gerade vorher
mit ihnen gesprochen, eine Zahl, die sie behalten sollen, haftet meist
nur für ganze kurze Zeit, oft weiss der Kranke nur wenige Minuten
später überhaupt nicht mehr, dass von einer Zahl die Rede gewesen
ist. Die Folge davon ist, dass in der Erinnerung für das Delirium ge
waltige Lücken entstehen, die von den Kranken, die im Gespräch meist
einen ganz attenten Eindruck machen und um eine Antwort nicht ver
legen sind, durch beliebige Confabulationen ausgefüllt werden, wie wir
dies ja auch bei der Korsakow’schen Psychose mit ihrem Defect der
Merkfähigkeit sehen. Nicht selten kann man beobachten, dass bei dem
Kranken die Erinnerung an die ärztlichen Untersuchungen, an Vorstel
lungen in der klinischen Vorlesung, kurz an Vorgänge, während derer
man ihre Aufmerksamkeit besonders erweckt hat, besser haften bleiben,
wenn auch hierbei Thatsächlicbes mit Confabulirtem sich häufig mischt.

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