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Störungen des Gehörapparates oder des Geruches sind in der mir
zugänglichen Literatur nirgends beschrieben. Man wird also die Ursache
der Sinnestäuschungen auf diesen Gebieten central suchen müssen.
Etwas anders liegt es vielleicht, wenigstens zum Theil mit den
tactilen Hallucinationen und Illusionen, bei deren Zustandekommen sicher
Parästhesien eine nicht unerhebliche Rolle spielen dürften, wenn auch
eigentliche Sensibilitätsstörungen im Delirium nichts Wesentliches dar
stellen. Durch Neuritiden bedingte Gefühlslähmungen kommen vor, wie
überhaupt bei Trinkern, sie haben jedoch nichts für das Delirium Charak
teristisches und finden sich nur in einem beschränkten Theil der Fälle.
Allerdings ist es richtig, dass Deliranten eine ganz erstaunliche Gleich
gültigkeit und Unempfindlichkeit gegen Verletzungen, selbst schwerer
Art, an den Tag legen, es handelt sich aber dabei, wie von verschie
denen Seiten schon betont, lediglich um eine psychische Anästhesie in
Folge der mangelnden Aufmerksamkeit. Gelingt es aber, diese zu fesseln,
so lässt sich leicht nachweisen, dass die einzelnen Gefühlsqualitäten im
Grossen und Ganzen intact sind, ja, dass eher eine Ueberempfindlich-
keit gegen Schmerzreize besteht und häufiger ist als eine Abstumpfung
derselben. 43 Fällen mit Hyperalgesie der Haut standen 16 Hypalge-
tische gegenüber, wobei noch zu berücksichtigen bleibt, dass bei diesen
vielleicht doch noch möglicherweise mangelhafte Aufmerksamkeit mit
im Spiele war.
Neben den Sinnestäuschungen verlangt der Verlust der Orien-
tirung und seine Ursachen ein besonderes Interesse. Im vollentwickel
ten Delirium sehen wir die Kranken wohl fast ausnahmslos über Ort
und Zeit im Unklaren, und zwar für die ganze Frist seit Eintritt des
Anfalles und zum Theil auch noch für einen Theil des Vorstadiums.
Dagegen erhält man durchweg gute Auskunft über die früheren Be
gebenheiten. Als Grund des weitgehenden Ausfalles der Orientirung
sind in erster Linie erhebliche Störungen der Aufmerksamkeit
und der Merkfähigkeit zu betrachten.
Die Kranken sind so mit sich und ihren Sinnestäuschungen be
schäftigt, dass sie von der thatsächliehen Umgebung so gut wie gar
keine Notiz nehmen. Die wirklichen Vorgänge um sie herum kommen
ihnen gar nicht zu Bewusstsein, so lange man sie sich selbst überlässt.
Allerdings gelingt es in den meisten Fällen von einfachem Delirium,
die Kranken wenigstens zeitweise aufzurütteln und zu fixiren, aber auch
hierbei bemerkt man sofort, wie sie wieder versinken, sobald man sie
nicht dauernd ermuntert. Tiefe Benommenheit und Unbesinnlichkeit
sollen nach Bonhoeffer (13) und Kraepelin (71) nur nach epilepti
schen Anfällen auftreten. Dass man die Aufmerksamkeit aber beliebig

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