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sind; denn es ist doch auffallend, dass es nicht gelingt, durch periphere
Reize auf anderen Gebieten Sinnestäuschungen zu erzeugen, wie Bon
hoeffer (13) schon mit Recht betont; vor Allem müsste man nach ihm
bei Geschmack und Geruch, die doch am meisten äusseren Reizen aus
gesetzt sind, Hallucinationen erwarten und gerade diese sind ausser
ordentlich selten und nach Bonhoeffer überhaupt nicht künstlich zu
erzeugen. Kraepelin (71) hat ferner festgestellt, dass es nicht gelingt,
die Visionen durch Vorhalten von bunten Gläsern zu färben.
Es liegt auch der Gedanke nahe, dass Störungen der percipi-
renden Organe Veranlassung zu Sinnestäuschungen geben könnten.
Die Sehschärfe ist jedoch nach Bonhoeffer, Wernicke (143) und
Krukenberg (77) nicht herabgesetzt, Krukenberg und Ziehen (149)
wollen eine concentrische Gesichtsfeldeinschränkung gefunden haben,
während Bonhoeffer dieselbe in Abrede stellt. In einigen Fällen, in
denen bei meinem Material darauf untersucht wurde, Hess sich ebenfalls
keine [Einengung nachweisen. Eine derartige Untersuchung stösst natur-
gemäss gerade bei Deliranten auf ausserordentliche Schwierigkeiten und
mögen die Gesichtsfeldeinschränkungen doch zum Theil mit in der
mangelnden Aufmerksamkeit des Deliriums ihren Ursprung haben. Auch
nach Uhthoff (136) sind periphere Gesichtsfeldeinschränkungen bei
Alkoholisten selten. Krukenberg glaubt, dass sich die concentrische
Einengung erst im Delirium ausbilde und auch häufig noch die ersten
Tage nach demselben zunehme, für Farben manchmal von kürzerer
Dauer sei, auch soll Roth das Blau zuweilen überragen, was jedoch von
Bonhoeffer entschieden bestritten wird, dagegen giebt dieser auch
eine gewisse Stumpfheit für Farben zu. Einen Verlust der Farben
empfindung, wie Mendel (85) ihn annimmt, habe ich jedoch nicht fest
stellen können, die darauf untersuchten Kranken benannten Farben
prompt und vermochten Wollfäden von bestimmten Farben sicher aus
zusuchen. Augenmuskellähmungen sind im einfachen Delirium selten,
bei dem riesigen Material Uhthoff’s nur in 0,9 pCt., in der Hälfte
davon bestand vorübergehend Doppeltsehen. In 10—13 pCt. bestand
temporale atrophische Verfärbung der Papille, die er auf partielle, in
terstitielle Neuritis im Opticusstamm mit auf- und absteigender Atro
phie der Sehnervenfasern zurückführt, zum Theil auch Atrophie der
Ganglienzellen der zugehörigen macularen Gegend der Netzhaut. Diese
Veränderungen an den Augen sind jedoch so wenig häufig und gering
fügiger Art, dass durch sie nicht das Auftreten so massenhafter Visionen
erklärt werden kann, wie wir beim Delirium finden, höchstens wird man
mit Liepmann annehmen können, dass sie gelegentlich das Zustande
kommen von Illusionen begünstigen.

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