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Geruchs- und Gesch mackstäuschungen sol len sich nach Bonhoeffer(13) 
nicht erzeugen lassen; jedoch berichtete einer meiner Kranken, dem 
zuvor ein Stück Zucker suggerirt worden war, welches er in den Mund 
steckte, auf Befragen, dass es zwischen süss und sauer schmecke, ein 
anderer berichtete über saueren Geschmack. Jedenfalls sind diese Hal- 
lucinationen nicht häufig hervorzurufen. Es gelingt jedoch auch nicht 
bei allen Deliranten überhaupt irgend welche Sinnestäuschungen künst 
lich zu erzeugen, auch auf der Höhe des Anfalls nicht, andere wieder, 
bei denen z. B. ein Blick aus dem Fenster genügt, um ihnen allerlei 
Gestalten zu zeigen, sehen bei Druck auf die ßulbi nichts oder lesen 
vom leeren Blatt nicht ab. Wenn auch Bonhoeffer (12) im Allge 
meinen darin Recht zu geben ist, dass die Suggestibilität analog dem 
Merkfähigkeitsdefect ist, so trifft es doch nicht ganz zu, dass ohne Des- 
orientirung keine Suggestibilität vorkommt, es ist mir doch, ebenso wie 
Reichardt, in einigen Fällen gelungen, bei erhaltener Orientirung im 
Beginn des Deliriums schon Hallucinationen hervorzurufen, ebenso am 
Schluss, als die Orientirung schon zurückgekehrt war. Es versagten 
bei Druck auf die Bulbi völlig 18 von 98 Kranken, bei denen auf an 
dere Weise noch Sinnestäuschungen hervorzurufen waren; von 87 sahen 
9 auf einem leeren Blatt nichts und bei 14 von 168 waren überhaupt 
keine Sinnestäuschungen künstlich hervorzurufen, obwohl sie spontan 
hallucinirten. Gerade Deliranten, die zu wiederholten Malen erkrankt 
sind, scheinen sich oft schwerer suggestibel zu zeigen. Dass die 
künstlichen Hallucinationen im Gegensatz zu den spontanen nicht 
schreckhafter Natur sind, konnte ich bei meinen Kranken ebenfalls fest 
stellen. 
lieber den Ursprung der Sinnestäuschungen, sowohl der 
spontanen, wie der künstlich hervorgerufenen, bestehen noch unter den 
Autoren Meinungsverschiedenheiten. Die Annahme Liepmann’s (80), 
dass der periphere Reiz, der Druck auf die Bulbi, die Hallucinationen 
auslöse, ist wohl nicht haltbar. Liepmann glaubt, dass die Pur- 
kinje’sche Figur den Ausgangspunkt bilde, an die dann die Kranken 
anknüpften. Man wird allerdings öfters hören, dass die Kranken an 
fangs Farben, Sterne und dergleichen sehen, in vielen Fällen aber tritt 
dies überhaupt nicht ein, sondern sie berichten gleich über alle mög 
lichen Dinge und Szenen, die sie wahrzunehmen glauben. Nicht so 
selten behaupten sie, den ihnen gegenübersitzenden Arzt zu sehen und 
zuweilen merken sie überhaupt nicht recht, dass ihre Augen geschlossen 
sind, vielmehr behaupten sie, im Augenblick des Oeffnens der Augen 
werde alles dunkel. 
Es ist eher anzunehmen, dass diese Visionen centralen Ursprungs
	        

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