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Geruchs- und Geschmackstäuschungen sind wohl selten,
Bonhoeffer (13) glaubt, dass bei diesbezüglichen Beobachtungen oft
irrthümlicherweise solche angenommen wurden. Unter 50 Fällen hatte
Liepmann überhaupt keine, wie er annimmt, aus Zufall. Sie fehlen
jedoch auch nicht völlig. Ein Delirant Köppen’s roch Qualm. Von
meinen Kranken roch einer Chloroform im Zimmer, ein anderer hielt
sich die Nase zu, es rieche nach Menschenkoth, was thatsächlich nicht
der Fall war. Ein anderer verweigerte die Mischung von Mineralwasser und
Alkohol, sie schmecke nach Petroleum, wieder ein anderer behauptete,
er habe einen salzigen Geschmack im Mund. Bei einem weitern Kranken,
der behauptete das Zimmer sei voll Rauch, muss aber schon dahinge
stellt bleiben, ob es sich nicht um Gesichtstäuschungen gehandelt hat.
Dass bei den Hallucinationen überhaupt sexuelle Beziehungen einen
breiten Raum einnehmen, wie v. Speyr(129) angiebt, konnte ich bei
meinem Material nicht bestätigen, wenn auch manche Kranke darüber
berichteten.
Neben den echten Hallucinationen spielen eine grosse Rolle die
Illusionen und es wird oft gar nicht möglich sein, zu entscheiden,
in wieweit der Kranke wirklich liallucinirt oder seine Umgebung illu
sionär verkennt.
Der Ansicht Oppenheim’s (100) und Liepmann’s, dass es meist
Illusionen seien, kann ich mich dagegen nicht anschliessen; für die
Sinnestäuschungen fehlt doch recht häufig jeder äussere Anlass. Auch
die Erklärung Chaddock’s (12) vermag ich nicht als überzeugend an
zusehen, dass nämlich entoptische Vorgänge, wie Pulsation der Retina-
gefässe, Nachbilder, Mouches volantes in perverser Weise projicirt wür
den und da diese Vorgänge sämmtlicli mit Bewegungserscheinungen
verknüpft seien und die Vorstellung eines sich bewegenden Objectes
eng mit lebenden Wesen verbunden sei, so würden deshalb Thierillu
sionen, keine Hallucinationen zu Stande kommen. Diese Annahme ist
auch nur eine hypothetische und durchaus nicht überall zutreffend.
Oefters gelingt es aber auch, die Illusionen als solche zu erkennen. So
wurde der Instrumentenschrank für eine Uhr gehalten, die Löcher im
Stuhlgeflecht für Geld, die Badewanne für ein versinkendes Boot, weil
voll Wasser, oder für einen Kinderwagen, in den es geregnet, oder für
einen Dampfkessel, den der Kranke repariren sollte, die Schornsteine
für Männer, ebenso die Pfähle des Holzzaunes, Stiefel für Pudel, das
Bett für einen Wagen, die Drahtmatratze für ein Clavier, „das keinen
Ton giebt“. Der rotlie Rand der Bettdecke für Blut, der eigene Schatten
für einen Bekannten, u. s. f. Ein Kopfverband wird als Mütze oder als
Brille bezeichnet, in einem Verband an der Hand sind Nadeln, in einem

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