5
haften, überall stehen Kerle, die mit Gewehren auf ihn zielen, das elek
trische Licht fällt von der Wand und zündet sein Zimmer an, die Wände
neigen sich und drohen auf ihn zu stürzen. Wie schon Magnan(84)
betont, ist der Inhalt der Visionen häufig den Vorkommnissen des All
tags- und Berufslebens öder actuellen Ereignissen entlehnt, eine Beob
achtung, die ich auch bei unseren Kranken machen konnte; so sah z. B.
ein früherer Circusstallmeister, dessen Frau, eine Engländerin, mit im
Ballet getanzt, Pferde, Hunde und 50 englische Balletmädchen, ein Wirtli
zählte 30—40 Herren in seiner Weinstube. Zur Zeit des russisch-japa
nischen Krieges, als die Ostseeflotte auf der Fahrt nach Asien hier
ankerte, sahen die Deliranten russische Schiffe, einen russischen Admiral
und dergleichen. Während alle diese Visionen mehr wechselnder Natur
sind, kommt es aber auch vor, dass die Kranken ganze Aufführungen,
die sie selbst, wenn sie unbetheiligt sind, oft als Theater bezeichnen,
sehen, oder sie erleben ganz schreckliche Geschichten, die sich auch
fast ausschliesslich aus Gesichtstäuschungen zusammensetzen und sich
durch bunten Wechsel und Abenteuerlichkeit auszeichnen.
So berichtete ein Kranker, dass er Nachts auf einem Felde eine
Theatervorstellung angesehen. Es seien Thiere dressirt worden, Pferde,
Schafe, Schweine, Ziegen, Katzen und Hunde. Ein grosser starker Mann
in grauem Anzuge dressirte sie; sie machten verschiedene Kunststücke,
hochspringen, hinlegen, knien, von der Seite aufstehen, durch Reifen
springen; verschiedene Pferde tanzten, einige, die es nicht konnten, be
kamen Schläge. Es waren ausser den Patienten noch 80 —90 Zuschauer
da, sie seien mit der Vorstellung zufrieden gewesen, aber es sei nicht
viel geklatscht worden. Die Vorstellung dauerte von Abend bis zum
Hellwerden. Die Pferde seien manchmal durchgegangen in’s Publikum.
Es kostete 30 Pfennige Entree, viele gaben auch noch Trinkgeld. Am
Schluss seien die Pferde fortgeführt und die anderen Thiere in Wagen
fortgefahren, Patient sei hierher gebracht worden. Eine Patientin sah
Nachts an der Wand einen hellen Schimmer, daraus wurden 3 tanzende
Puppen, an der anderen Wand lag ein Kind, am Fenster baumelte ein
18jähriger Jüngling, der plötzlich wieder verschwand. Am Fenster sass
dann eine grosse Katze, dazu kamen 4 — 5 kleine Katzen, die auf ein
mal gross wurden und sich verwandelten in einen Pudel, einen grossen
Hund, eine grosse Katze und eine alte gebückte Frau. Die Thiere
brachten einen Sarg und stellten einen weissen Löwen darauf, dann
wurden sie wieder alle zu Katzen und liefen aus dem Fenster, nur die
alte Frau brauchte lange dazu und setzte sich zuletzt ein viel zu langes
Bein an, schliesslich war sie noch halb Katze, hatte aber ein Menschen
kopf und schrieb einen Brief. In der folgenden Nacht sah sie in der

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.