4
waren aber auch diese Tliiervisionen nicht isolirt, sondern gleichzeitig
berichteten die Kranken noch über andere Gesichtstäuschungen, so über
Kerle, Polizisten, Militär, Admiral, Oberst, die eigene Frau, Kinder, so
dann über Visionen, theils mehr unbestimmter Art, wie Nebel, Wolken,
Staubwirbel, oder auch Salzstückchen, Tauwerk, Ringe, Gold, elektrische
Drähte, Haselnussschalen, Frauenhaar, bunter Kram, Feuer, Blitze. Dabei
besteht, wie bekannt, grosse Neigung, die Dinge in Mengen oder zu
Scenen vereinigt zu sehen. Aus einem Hunde werden bald zwei und
mehrere, eine Menschenmenge steht draussen, ein ganzes Regiment mar
schiert vorbei, an der Wand stehen Reihen von Särgen, 1000 kleine
Schnapsflaschen. Häufig zeigen die Hallucinationen auch eine groteske
Form, einen Hund mit einem aufgeblasenen Kopf, Krokodile mit Schnä
beln, kleine Kerle tanzen auf dem Arm des Patienten, Kerle mit langen
Hälsen, Vögel und Fische an der Wand spielen auf Instrumenten. Als
besonders charakteristisch wird mit Recht angegeben, dass diese Visionen
mit Vorliebe sich bewegt zeigen, und zwar nicht nur Menschen und
Thiere laufen, tanzen, schneiden Grimassen und dergleichen, sondern auch
an leblosen Dingen sieht der Kranke Bewegung. Schmutziges Seifenwasser
läuft auf dem Fussboden, durch die Decken tropft Wasser, es schneit,
zwei Scheiben laufen ohne Transmission, Puppen tanzen, aus einem
Automat, der sich dreht, fliesst „Korn“. Dann wieder komische Dinge,
das Kopfkissen fliegt durch die Luft, ebenso Schafe und Kühe, ein
weisser Hund läuft durch die Dachrinne, Bienen marschieren wie ein
Regiment Soldaten. Dabei hören wir häufig, dass die Erscheinungen
an Grösse zu- oder abnehmen, sich verwandeln und verschwinden,
besonders beim Zugreifen zergehen häufig die Visionen. Ein Hund
wird immer grösser, Menschen verwandeln sich in Thiere und um
gekehrt; der Bierkrug zerbricht beim Zugreifen, die Menschen zer
gehen, wenn er sie anfassen will,, das Geld ist plötzlich fort, die Wür
mer, die er von der Bettdecke nehmen will, sind „so locker, als ob sie
gar nicht da wären“. Der Kranke erlebt ganze Scenen, denen er theils
unbetheiligt gegenüber steht, von denen er anderntheils aber in Mit
leidenschaft gezogen wird, und zwar zumeist in unangenehmer Weise.
Er sieht eine bekannte Strasse, Passanten, Wagen, Automobile, ein
Karren mit Lebensmitteln fällt um und alles rollt auf den Boden, ein
Mann wird überfahren, weil ihm ein Hund zwischen die Beine gelaufen
ist, ein Pferd stürzt, der Kutscher schlägt auf dasselbe ein, bringt es
aber nicht hoch, Schiffe fahren vorbei, die er an den Flaggen unter
scheidet. Ein Leichenzug geht vorüber. Ein Mensch fällt in’s Wasser
und ertrinkt. Plötzlich glaubt er aber in demselben seinen Sohn zu
erkennen und wird beunruhigt; Polizisten erscheinen, um ihn zu ver

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.