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schützt, meist über ein Jahr. Das Stäbchen ist sehr sauerstoffbedürftig;
in der Tiefe der Nährböden wächst es für gewöhnlich gar nicht. Der
blaue Farbstoff entsteht nie bei 36 0 (s. unten); bei 22—25 0 wird er an
scheinend etwas besser gebildet als bei Zimmertemperatur. Wo nicht
besonders angegeben, handelt es sich im folgenden um Kulturen, die bei
Zimmertemperatur gehalten wurden.
Gelatinenährböden: Ziemlich saftiges Wachstum. Der Nähr
boden wird langsam verflüssigt. Leicht saure Reaktion oder Glycerin
zusatz hemmen deutlich, Traubenzucker fördert das Wachstum. Die ver
flüssigte Gelatine wird schleimig fadenziehend.
Agarnährböden: Grauweißer, breiiger, feuchtglänzender Belag,
darin vielfach kleine Kristalle. Glycerinzusatz begünstigt das Wachstum
nicht. Die Kulturmasse wird dadurch zäher und gestattet mit der Nadel
lange, etwas elastische Fäden abzuheben. Alte Traubenzuckeragarkulturen
sind zäh, gummiartig. Zusatz von 5 Proz. Kochsalz schädigt nicht sehr
wesentlich das Wachstum. Auf E n d o s Natriumsulfit-Milchzuckerfuchsin
agar war auffallenderweise bei wiederholten Versuchen kein Wachstum
zu erzielen.
Bouillon: Mäßige Trübung, kein Häutchen an der Oberfläche;
aber besonders in Taubenzuckerbouillon bei anderen Kulturen oben am
Glasrande ringförmiges Wachstum, von dem aus fädige Massen in die
Tiefe flottieren.
Milch: Am 3.-4. Tage, bisweilen sogar erst nach etw r a 10 Tagen
tritt eine blaue Färbung bis etwa 1 cm unter die Oberfläche auf. Die
Stärke der Färbung schwankt bei verschiedenen Milchproben. Nach
einigen weiteren Tagen verfärbt sich der Nährboden gelbbraun, wird aber
bald oben wieder blau, wenn er durchgeschüttelt wurde. Allmählich wird
die Milch aufgehellt. Gerinnung tritt nicht ein, auch nicht bei 30°. —
Auch in Milchagar (1:1) tritt bei Plattenkulturen eine schön blaue
Farbe auf, die nach mehreren Tagen ins Gelbbraune umschlägt.
Kartoffeln: Manchmal schon nach 14 Stunden, meist aber erst
nach 2—3 Tagen, färbt sich die Umgebung des Impfstriches lichtblau,
die Bakterienmasse selbst dagegen ist gar nicht besonders stark gebläut.
Der Nährboden wird allmählich ganz von der blauen Farbe durchsetzt,
jedoch bei den einzelnen Kartoffelstücken verschieden stark. Nach 8 bis
14 Tagen tritt auch hier eine gelbbraune schmutzige Verfärbung ein.
Das Wachstum ist meist so üppig, daß die breiige Masse vom Nähr
boden herunterfließt. Auf Glycerinkartoffeln sind Wachstum und Farbstoff
bildung geringer. Möhren und Runkelrüben werden nicht blau.
Chemische Leistungen: In Bouillon und Peptonwasser wird
Indol gebildet. — Peptonisierende Enzyme verflüssigen langsam die Ge
latine und das Loefflersche Serum. — Hämoglobin wird nicht ver
färbt oder zerstört, daher auf Blutagarplatten keine Hofbildung. — Die
Bildung des blauen Farbstoffes ist als eine Reaktion auf bestimmte Be
standteile der betreffenden Nährböden aufzufassen (s. unten). Pepton
wasser wird meergrün gefärbt. — Eingehender wurde die Säurebildung
aus Kohlehydraten geprüft. Hierzu versetzte ich 10 ccm 3-proz. Agars
mit 1% ccm einer 10-proz. Lösung des Kohlehydrates in Lackmustinktur,
kühlte auf 60° ab und fügte noch 5 ccm gleichwarme Ascitesflüssigkeit
hinzu und goß die Mischung in P e t r i - Schalen aus. Bacterium
coelicolor erzeugte nun bei 36° gehalten auf derartigen Platten mit
Saccharose, Dextrose, Lävulose oder Glycerin eine starke Rotfärbung.
Es ist wohl eine Spaltung des Saccharosemoleküls in Dextrose und Lävu-

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