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die wichtigeren auch mit dem Farbstoffe oder mit blauen Kartoffel
stückchen des Bakteriums nachgeprüft worden. Hierbei verhielten sich
die Farbstoffe beider Keime gleich.
Biologisches Verhalten: Einige Kubikcentimeter der Farb
stofflösung riefen bei Meerschweinchen und Kaninchen nach Einspritzung
in die Blutbahn, unter die Haut oder in die Bauchhöhle keine Vergiftungs
erscheinungen hervor. Nach wiederholten Einspritzungen brachte ich
das Blutserum der Tiere mit gleichviel Farbstofflösung zusammen; da
durch wurde keine Veränderung — Präzipitation oder Zerstörung —
des Farbstoffes bewirkt, er scheint also nicht zu den Antigenen zu ge
hören.
Spektrum: Die blaue Lösung absorbiert am stärksten die Licht
wellen zwischen der D-Linie und dem Beginne des reingrünen Teiles
des Spektrums; zu beiden Seiten dieses Bezirkes wird die Absorption
allmählich geringer, bis etwa zu den Linien C und E reichend.
Löslichkeit: Das Amylocyanin ist anscheinend nur in Wasser
oder wasserhaltigen Mitteln löslich. Versetzen der wässerigen Lösung
mit gleichviel Glycerin, absolutem Alkohol oder Aceton oder mit NaCl
bis zur Sättigung verändert den Farbstoff nicht nennenswert. Mit Aether,
Chloroform, Schwefelkohlenstoff, Amylalkohol, Benzin, Petroläther, Xylol
oder Terpentinöl ließ er sich nicht ausschütteln. Ich verdampfte bei
60° und bei etwa 50 mm Hg-Druck das Wasser; es blieb ein dunkel
blauer Niederschlag zurück, der sich sofort wieder in Wasser, nicht
aber in absolutem Alkohol, Aether, Chloroform oder Xylol löste; in
Glycerin aber löste er sich langsam, jedoch war dieses nicht sicher
wasserfrei.
Kristallisierung: Der genannte Rückstand wies auch unter dem
Mikroskope keine Kristallbildung auf. Auch mit der von Rümpler 1 )
angegebenen Methode für schwer kristallisierbare Stoffe — Versetzen
der Lösung mit Alkohol, dann Wasserentziehung im Exsikkator über
gebranntem Kalk — führte bis jetzt nicht zum Ziele.
Absorption: Wurde mit Tierkohle geschüttelt und dann zentri
fugiert, so war der Farbstoff völlig absorbiert. Dasselbe bewirkte Braun
steinpulver; Kreidepulver dagegen nicht.
Entfärbung: Sie tritt ein durch Erhitzen auf 100°; selbst stunden
langes Erwärmen auf 60° hat aber keinen wesentlichen Einfluß. Durch
Wasserstoffsuperoxyd wurde die Lösung in wenigen Stunden ganz farblos
klar; ich versetzte sie mit gleichviel Merckschem Perhydrol. Die sauer
stoffabsorbierenden Stoffe Terpentinöl und Paraffinum liquidum bewirkten
nach Ueberschichten innerhalb einiger Tage auch Entfärbung. Unter
der Wasserstrahlluftpumpe wurde bei 20 mm Hg-Druck eine solche Ent
färbung (durch Sauerstoffentziehung) aber nicht wahrgenommen. Normal
kalilauge und Normaloxalsäure entfärbten gleiche Teile Farbstofflösung
in 24 Stunden.
Rotfärbung: Wird durch Säuren erzeugt, sofort durch Salzsäure,
Schwefelsäure, Essigsäure, Oxalsäure, Zitronensäure oder Salicylsäure;
sie kann durch Alkalien wieder in Grün verwandelt werden. Bei
längerem Stehen entfärben sich diese Mischungen meist völlig oder sie
werden helbgelb. Rotfärbung rufen auch hervor: Alaun, Calciumsulfat,
Magnesiumsulfat, Zinksulfat, Strontiumchlorid, Lithiumchlorid, Magnesium
1) Rümpler, Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. Bd. XXXIII.
1900. p. 3474.

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