16
daß ein farbloser, chromogener Stoff abgesondert wird, der dann mit
Bestandteilen des Nährbodens eine blaue Reaktion eingeht.
Nösske 1 ) hat gefunden, daß Bacterium pyocyaneum nur bei
Anwesenheit von Schwefel und Magnesium das Pyocyanin bildet. Um nun
festzustellen, ob auch bei meinen Keimen einzelne Elemente eine Rolle
spielten, versetzte ich Nähragar mit kleinen Mengen folgender Stoffe:
KN0 3 , MgS0 4 , CaS0 3 , Ca 3 (P0 4 ) 2 , Na 2 HP0 4 , IK. Blaue Farbe wurde
darauf nicht gebildet. Dann dachte ich daran, ob vielleicht die farblose
Blausäure mit Eisensalzen die Farbe hervorrufe: aber Blausäure färbte
Kartoffeln nicht blau, andererseits ließen Ferri- und Ferrosalze oder beide
zusammen in Agarkulturen keine blaue Farbe entstehen, und endlich ist
mein Farbstoff chemisch verschieden von den blauen Eisencyaniden.
Ein anderer Weg ergab mehr: Ich preßte den Saft roher Kartoffeln
aus, sterilisierte und filtrierte ihn und vermischte ihn mit gleichviel
Nähragar. Es entstand keine blaue Farbe auf diesem Nährboden. Also
ist der gesuchte Stoff nicht im Safte der Kartoffeln gelöst. Von den
unlöslichen Stoffen der Kartoffel kam ja nun zunächst die Stärke
in Betracht. Ich bereitete mir aus reiner Kartoffelstärke einen Kleister
und goß diesen mit gleichviel Agar vermengt zu Platten aus. Auf
diesem Stärkeagar wuchsen beide Mikroorganismen schön blau; ebenso
bei Verwendung von Weizenstärke oder von Amylum solubile (Merck).
Nicht so bei den der Stärke nahestehenden Stoffen Inulin, Glykogen,
Dextrin und Gummi arabicum und deren Derivaten: Raffinose, Sac
charose, Laktose, Maltose, Mannit, Dextrose, Lävulose, Galaktose, Iso-
dulcit und Arabinose. (Auf Dextrin wurde, wie gesagt, ein brauner
Farbstoff gebildet.) Um Jodstärke kann es sich ja hier naturgemäß
nicht handeln, auch wird die durch Kochen zerstörte Farbe meiner
Keime nicht wie die Jodstärke beim Erkalten wieder blau. Die Stärke
ist also der gesuchte Stoff oder einer der gesuchten Stoffe, die die
Bildung der blauen Farbe in den Kartoffeln bewirken. Deshalb schlage
ich für diesen unten noch näher charakterisierten Farbstoff den Namen
Amylocyanin vor. Ich nehme an, daß seine Entstehung auf Hirn-,
Eigelb- und Milchnährböden auch verursacht wird durch Molekular
komplexe, die dem Stärkemoleküle nahe stehen.
Bereitung der Farbstofflösung: 2 bis 4 Wochen alte Kar
toffelröhrchen der Streptothrix, und zwar solche, die am stärksten
blauschwarz waren, wurden mit destilliertem Wasser so weit gefüllt, daß
der Nährboden bedeckt war. Nach mehrstündigem Stehen war das
Wasser dunkelblau, aber sonst klar. Nach dem Abgießen kann man mit
neuem Wasser die Auslaugung fortsetzen, wobei schließlich das Kartoffel
stück wieder weiß wird, während die Kulturmasse der Streptothrix
meist bräunlich gefärbt erscheint. Man erhält so von einem Kartoffel
röhrchen 10—20 ccm dunkelblauer klarer Lösung. Das Amylocyanin
ist also im Vergleich zu ähnlichen Farbstoffen anderer Mikroorganismen
leicht in wässeriger Lösung darstellbar. Die Lösung enthält natürlich
den Farbstoff nicht rein, z. B. sind auch noch Enzyme darin gelöst.
Auch bei Bacterium coelicolor läßt sich so die blaue Farbe ge
winnen; aber meist enthalten hier die Kartoffeln nicht so viel Farbe
und dann wird die Flüssigkeit auch von der abgeschwemmten üppig
gewachsenen Bakterienmasse getrübt. Darum sind alle folgenden Ver
suche zuerst mit dem S tr eptothrix-Farbstoffe angestellt und dann
1) Nösske, Diss. Tübingen 1897 und Arch. f. klin. Chirurgie, Bd. LXI. p. 266.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.