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erkrankten nicht. Ebenso wurden 2 Meerschweinchen ohne Erfolg sub
kutan und intraperitoneal geimpft; desgleichen 2 Kaninchen intravenös.
Der blaue Farbstoff (Amylocyanin).
Man kennt ja schon eine Reihe von Keimen, die blauen Farbstoff
bilden; bei Bacterium und Streptothrix coelicolor ist dieser
Farbstoff besonders bemerkenswert, weil er sich nur auf bestimmten
Nährböden bildet, dann weil er sich chemisch anders verhält, als die
bisher beschriebenen blauen Bakterienfarbstoffe und endlich weil dieser
Farbstoff erzeugt wird von zwei morphologisch zwar sehr verschiedenen
Mikroorganismen, die aber doch nach Ansicht mancher Forscher im
System nahe zusammen gehören.
Auf welchen Nährböden entsteht nun die blaueFarbe?
Die gewöhnlichen Nährböden, wie Agar, Gelatine und Bouillon, färben
sich nicht blau, auch nicht nach Zusatz von Glycerin, Tyrosin und der
verschiedenen Zuckerarten, die bei der Prüfung der Gärfähigkeit vorhin
genannt sind. Auf Löfflerschem Serum fand ich bei Bacterium
coelicolor einmal einen ganz schwach graublauen Farbton; sonst
wuchs es, wie auch die Streptothrix, farblos. Auf Blutagar war
einmal die Streptothrix schwach, aber deutlich graublau, während sie
das sonst ebenso wie das Bakterium nicht tat. Auf sterilisierten
Kalbshirnscheiben erzeugte das Bakterium eine schöne blaue Farbe;
die Streptothrix wurde darauf nicht geprüft. Ich vermischte
Hühnereigelb mit gleichviel Agar und sterilisierte dies nach der
Erstarrung im Dampftopf; das Bakterium wuchs blau darauf, die
Streptothrix nicht. Auf Hühnereiweiß bildeten beide keinen Farb
stoff. Milch in Röhrchen färbt das Bakterium an der Oberfläche
blau; stärker ist aber die Farbe meist in Milchagarplatten. Auf Kar
toffeln bilden beide den schönsten Farbstoff. — Die blaue Farbe
entsteht auf allen diesen Nährböden nur bei Temperaturen unter 30°;
und zwar nur bei Sauerstoffzutritt, schon weil beide Keime obligat
äerob sind.
Warum bildet sich bei 36° keine blaue Farbe? Ich
filtrierte eine tiefblaue Lösung des Streptothrix-Farbstoffes (Her
stellung folgt unten) durch Reichel-Kerzen, vermischte diese keimfreie
Flüssigkeit mit gleichviel neutralen Agars und goß sie in Petri-
Schalen. Auf diesen hellblauen klaren Nährboden impfte ich strichweise
Bacterium und Streptothrix coelicolor und hielt die Kultur
bei 36°. Nach 48 Stunden war die Umgebung der Impfstriche entfärbt,
während die übrige Platte blau geblieben war. Behandelte ich un-
filtrierte Farbstofflösung ebenso, dann war sie durch die darin befind
lichen Streptothrix-Keime schon nach 12 Stunden bei 36° entfärbt.
Also vernichten beide Mikroorganismen bei 36° den Farbstoff selbst,
können daher nicht blau wachsen.
Warum werden nur bestimmte Nährböden blau? Das
ist etwas schwieriger zu beantworten. Hier ist zunächst folgende Be
obachtung zu vermerken: Die Kulturmasse von Bacterium coeli
color ist viel weniger blau als der Nährboden (Kartoffel). (Bei Strep
tothrix ist das schwer festzustelien, da sich diese schnell mit schnee
weißem kreidigen Belag überzieht.) Daraus schließe ich, daß das
Bakterium nicht selbst die blaue Farbe erzeugt, denn dann müßte die
Bakterienmasse doch am stärksten blau sein; sondern ich nehme an,

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