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Wenn aber die vegetativen Formen die Nährstoffe aufgebraucht haben,
so bildet sich kein kreidiger Belag. Fig. 11 zeigt auf dem dichtesten
Wachstum überhaupt keinen. Hier war also schon in den ersten Tagen
der Nährboden von dichtem Mycel durch wuchert worden, und dadurch
wurde, so vermute ich, dieser erschöpft, ehe die Fäden das Alter er
reicht hatten, um kreidigen Belag bilden zu können. Am Rande dieser
dichtesten Wachstumszone sieht man aber in Fig. 11 kreidigen Belag,
denn hier könnten, gemäß meiner Vermutung, von außen her Nährstoffe
hinzudiffundieren.
Auch bei Schimmelpilzen sind die Fruchtformen manchmal in ganz
entsprechenden Ringen angeordnet. Die Fig. 12 zeigt eine Ringkolonie bei
einem schokoladefarbenen Schim
melpilz, eine Luftverunreinigung
auf einer Traubenzuckeragarplatte.
Ich weiß nicht, ob dies schon be
schrieben ist. Im übrigen muß man
diese Ringkolonieen wohl als Ana
logon zu den sogenannten Hexen
ringen beim Fliegenschwamm, Stein
pilz, bei den Morcheln und anderen
höheren Pilzen betrachten.
Färbt man eine Kultur in dün
ner Nährbodenschicht in situ, so
erkennt man, daß die vegetativen
radialen Fäden an der Peripherie,
also da, wo sie am jüngsten sind,
die Farbe wesentlich besser anneh
men, als die älteren mehr nach der
Mitte zwischen den Ringen liegenden. Bei schwacher Vergrößerung ist
dann die Kolonie von einem ziemlich scharf abschneidenden Bande
dunkler gefärbter Fädchen umgrenzt, wie in Fig. 13. Ich schließe daraus,
daß diese nach außen weiterwachsenden Fäden zentralwärts bald ab
sterben.
Von manchen Forschern, wie Neukirch, wird nun behauptet, daß
außer den Luftsporen noch'sogenannte Fragmentationssporen durch Zer
fall der vegetativen Fäden entständen. Bei meinen Kulturen in dünner
Nährbodenschicht habe ich nichts Derartiges gesehen; wohl aber fand
ich in älteren Bouillon- und Gelatinekulturen von Streptothrix
coelicolor ohne kreidigen Belag Haufen kokkenartiger Gebilde — Aus
saaten zeigten, daß es keine Verunreinigung war, die vielleicht dem ent
sprechen. Die Entstehung dieser Gebilde habe ich nicht untersucht,
kann daher auch nicht entscheiden, ob sie nicht dasselbe sind wie die
Luftsporen, nur daß-'sie untergetaucht entstanden wären.
Die vegetativen Fäden bestehen nun nicht aus homogener Substanz.
Besonders Neukirch beobachtete in den lebenden Fäden kleine Körner,
und konnte sie auch durch vorsichtige Färbung darstellen. Mir gelang
dies nicht in zufriedenstellender Weise mit Methylenblau, mit Karbol
fuchsin, nach Gram, nach .Giern sa oder mit der N ei ss er sehen
Körnchenfärbung. Es gelang mir das besser auf folgende Weise: Ich
erhitzte das gut fixierte Präparat einige Minuten auf 120 bis 130° und
zwar in einer Calciumchloridlösung; dann färbte ich es ziemlich lange
mit verdünntem Karbolfuchsin oder nach Giern sa. In einem solchen
Präparate liegen, wie die Fig. 14 zeigt, in den nur blaß gefärbten Fäden
Fig. 12. ßingkolonie bei einem Schim
melpilz auf Traubenzuckeragar in natürl.
Größe.

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