Petersen, Zur vergleichenden Anatomie des Zentralzylinders etc, 19
I
Im Anschluß hieran möge auf eine interessante Tatsache hin
gewiesen werden: Bekanntlich (15) ist die zu den Trifolieen ge
hörige Gattung Ononis durch ihre verwachsenen Staubgefäße in
die nächste Verwandtschaft der Genisteen zu bringen. Nun weisen
die Keimwurzeln der Ononis-Arten alle im Gegensatz zu den
übrigen Trifolieen einen diarchen Bau auf und lassen also offenbar
die Verwandtschaft mit den stets diarchen Genisteen auch dadurch
zum Ausdruck kommen.
Ferner hat das Auftreten der früher beschriebenen Calcium
oxalat-Kristalle einen gewissen systematischen Wert. Sie fehlten
immer in den diarchen Wurzeln und somit also bei den Genisteen;
aber auch bei den Podalyrieen, Trifolieen und Galegeen (mit Aus
nahme von Psoralea) kamen sie nicht vor.
Kristalle im Perikambium fanden sich bei den Vicieen, Loteen
und Hedysareen, jedoch nicht in allen Gattungen, unter den Hedy-
sareen sogar nur bei einer einzigen. Aber auch die einzelnen
Arten einer Gattung verhalten sich oft verschieden.
Das Vorkommen von Kristallen in der an die Endodermis
angrenzenden einzelligen Bindenschicht ist eine ausgesprochene
Eigenschaft der Phaseolinae (Phaseolus, Dolichos, Vigna), doch
fanden sie sich auffälligerweise unter den Hedysareen bei allen
Scorpiurus- Arten und unter den Galegeen bei Psoralea bituminosa,
sonst nirgends. Ein verschiedenes Verhalten einzelner Arten inner
halb einer Gattung zeigte sich nur bei Dolichos, wo zwei Arten
keine Kristalle enthielten.
Daß übrigens diese eigenartige Verteilung der Kristalle kon
stant zu sein scheint, geht daraus hervor, daß Monate alte Wurzeln
keine Kristalle enthielten, wenn diese in jungen Stadien nicht
vorhanden gewesen waren, und umgekehrt.
Schließlich kann auch noch das Vorhandensein von Bastfasern
und eventuell auch die Menge derselben beim Beginn des sekun
dären Dickenwachstums in einigen Fällen ein Unterscheidungs
merkmal zwischen einzelnen Gattungen abgeben. Die Bastfasern
kommen in allen Tribus vor, am häufigsten und reichlichsten in
den ziemlich großen Wurzeln der Vicieen und Phaseoleen, als
festes Gattungsmerkmal scheinen sie jedoch nur höchst selten an
gesehen werden zu können (Spartium, Pisum, Phaseolus).
Zu erwähnen ist noch, daß die seidig glänzenden Bastfasern
der Lupinen, wenn sie auch nicht bei jeder Art auftreten, doch
insofern für diese Gattung charakteristisch sind, als sie bei keiner
anderen Vorkommen.
Es erhebt sich nun die Frage, ob gewisse Merkmale im
Zentralzylinder der Keim wurzeln biologisch zu deuten sind. Da,
wie wir gesehen haben, ein merklicher direkter Einfluß des Mediums
auf die für die Untersuchung benutzten Keimwurzeln nicht vor
handen ist, so kann es sich offenbar nur um solche biologische
Merkmale handeln, die erblich sind. Derartige Anpassungsmerk
male, die mehr oder weniger auch systematischen Wert besitzen,
kommen bekanntlich in mehreren Pflanzenfamilien vor, wie z. B.
die Succulenz als Merkmal der Xerophilie bei den Crassulaceen

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