Petersen, Zur vergleichenden Anatomie des Zentralzylinders etc. 15
kamen Rosanof f ’sche und einfache tafelförmige Kristalle, Sphärite
und in einzelnen Fällen auch Drusen vor. Um so auffälliger ist
demnach das Auftreten der einen Kristallform in den Wurzeln.
Eine Analogie zwischen dem Vorkommen von Calciumoxalat-
Kristallen in der Wurzel und in den übrigen Teilen der Pflanze
läßt sich also nicht aufstellen.
Wie wir gesehen haben, ist das Vorhandensein dieser Kristalle
vom Kalkgehalt des Bodens, innerhalb gewisser Grenzen wenigstens,
unabhängig. Trotzdem erschien es nicht uninteressant, ohne auf
den physiologischen Wert des Calciumoxalats näher eingehen zu
wollen, experimentell zu untersuchen, inwieweit die Kristallbildung
durch Wasserkulturen mit verschiedenem Kalkgehalt beeinflußt werden
kann. Zu diesem Zwecke wurden drei Parallelkulturen von Pisum
sativum angesetzt, einer Pflanze, in deren Wurzel die Kristalle
reichlich vorhanden sind. Die Keimlinge wurden teilweise in ge
wöhnlichem Leitungswasser, zum Teil in mit Calciumsulfat ver
setztem Leitungswasser, znm Teil schließlich in chemisch reinem
Wasser kultiviert. Die beiden ersten mehrfach wiederholten Ver
suche zeigten, in den ersten drei Wochen des Wachstums wenigstens,
gar keinen Unterschied in der Menge und Größe der Kristalle. Ein
Überschuß von Calcium hatte demnach keinen Einfluß auf die
Kristallbildung. Die dritte Versuchsreihe erforderte natürlich be
sondere Sorgfalt, da es sich hier darum handelte, jede Spur von
Calcium von der Wurzel fernzuhalten. Als Kulturflüssigkeit wurde
doppelt, das zweite Mal mit besonderen Vorsichtsmaßregeln destilliertes
Wasser benutzt. Um sicher zu sein, daß weder aus den Wandungen
der zum Versuche benutzten zirka zwei Liter fassenden Glasge
fäße, noch aus den zur Befestigung der Keimlinge dienenden durch
löcherten Zinkdeckeln Calcium enthaltende Partikelchen in das
Wasser resp. an die Keimwurzel gelangten, wurden alle Teile, mit
denen das Wasser and die Keimlinge in Berührung kamen, mit
Paraffin überzogen. Die Samen wurden in dem gleichen sorgfältig
destillierten Wasser angekeimt und außerdem von ihrer Samen
schale befreit. Wie übrigens in den ersten beiden Versuchen, so
wurden auch hier die Wurzeln stets gegen Licht geschützt. Es
zeigte sich nun in den letzteren fünf- bis sechsmal wiederholten
und jedesmal mit fünfzehn bis zwanzig Keimlingen angestellten
Versuchen, daß nach sechstägiger Kultur die Wurzeln weniger
Kristalle enthielten als gleichaltrige im Leitungswasser, wenn auch
der Unterschied zuweilen nur gering war. Wiedort, so entstanden
auch hier die Kristalle zuerst an der Basis der Wurzel und breiteten
sich von hier aus nach unten hin aus. Bei den im destillierten
Wasser gewachsenen Wurzeln entfernten sie sich jedoch nie so
weit von der Basis, wie bei denjenigen im Leitungswasser und
waren oft auch etwas kleiner und spärlicher als hier. Nach drei-
zehntägigem Wachstum hatten sich die erwähnten Unterschiede
noch mehr gesteigert. Während die Kristalle meist nur in der
oberen Hälfte der im destillierten Wasser kultivierten Wurzeln zu
finden waren, konnte man sie bei den im Leitungswasser ge
wachsenen bis in die Nähe der Wurzelspitze verfolgen. Übrigens

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