Der Lexis-Diehlsche Rettungsversuch.
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3. Bevor das Gesetz der sinkenden Erträge in Wirksamkeit
ist, besteht hier überhaupt keine Grundrente.
Dazu ist folgendes zu bemerken:
T h e s e 1 ist, wenn die in den vorigen Abschnitten enthal
tene Kritik der Monopol-Preistheorie zugegeben werden muß,
unzweifelhaft unricardisch, als Verteidigung Ricardos also gewiß
abzulehnen.
T h e s e 2 ist ebenfalls falsch. Es ist durchaus mög
lich, aus den Voraussetzungen Ricardos hier
privatwirtschaftliche Grundrente, und zwar
nicht monopolistische, sondern reine Dif
ferentialrente abzuleiten.
Ricardo selbst hat das Rodbertussche Problem beantwortet
und widerspruchsfrei gelöst, lange ehe es gestellt war, und zwar
an den oben angeführten Stellen, wo er die Möglichkeit zugibt,
daß in einem gegebenen Lande aller angebaute Boden Rente trage,
aber feststellt, daß dadurch die Naturrechtstheorie der Rente
nicht im mindesten erschüttert werde. Wir haben gesehen, daß
das richtig ist. Solange, wenn schon nicht mehr ein Grenz b o d e n ,
so doch ein Grenz kapital mit der Rente Null existiert, steht
das Getreide immer noch auf seinem natürlichen Preise, gibt es
keine Monopolrente.
Ricardo würde den Rodbertusschen Angriff leichthin mit der
Erklärung abgetan haben, daß in diesem, wie aus allen Bestimmun
gen hervorgeht, volkreichen und hochentwickelten isolierten Staate
natürlich längst nicht mehr das „Originalkapital“ allein auf den
Landgütern arbeite, sondern daß es in dem Maße, wie mit der Be
völkerung die Nachfrage und der Getreidepreis stieg, längst durch
eine ganze Reihe von „Zusatzkapitalen“ ergänzt worden sei.
Von jenen trage jeweils das jüngste und daher unproduktivste
die Grundrente Null. Und so stehe denn das Getreide auf seinem
natürlichen Preise, und Monopolrente sei nicht vorhanden, wohl
aber beziehe jeder Grundeigentümer die Summe aller Differenzen
zwischen dem jüngsten, unproduktivsten und allen älteren, pro
duktiveren Kapitalen als private Gesamtgrundrente.
Und dagegen dürfte kaum etwas einzuwenden sein.

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