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Dritter Abschnitt.
der Rentierung, sondern die Feststellung, daß, wenn schon nicht
Grenzboden mit der Rente Null, so doch unter allen Umständen
ein Grenzprodukt mit der Rente Null vorhanden sein muß, und
daß daher das „Getreide“ niemals einen Monopolpreis haben
kann.
Daran ändert sich auch nichts, wenn der ganze Boden eines
Landes durch das Privateigentum einzelner okkupiert, dem Zugriff
„jedermanns“ entzogen ist. Ricardo hat das nicht behauptet und
konnte es nicht behaupten. Lexis stellt es freilich in
den angeführten Stellen so dar, als habe Ricardo seine Grund
rententheorie unter voller Abstraktion von der ihm wohlbekannten
Tatsache aufgestellt, daß die Kulturländer längst in diesem juristi
schen Sinne „okkupiert“ waren. Das heißt nichts anderes, als Ri
cardo nachsagen, er habe seine Theorie in den leeren Raum gebaut;
heißt kaum weniger als einem Physiker nachsagen, er „abstrahiere“
bei seinen Untersuchungen über die Mechanik von der Schwer
kraft. Nein, Ricardo hatte durchaus die gleiche Absicht, die jeder
ernste Forscher hat: die realen Tatsachen seines
Arbeitsgebietes zu erklären. Nichts lag ihm ferner
als derartige logische Spielereien, die von der Wirklichkeit völlig
abgelöst waren 1 ). Wenn ein berühmter Forscher vom Range eines
Lexis, durch Gelehrsamkeit und Scharfsinn gleichmäßig hervor
ragend, dem scharfsinnigsten Meister der deduktiven Schule der
artige Dinge zutraut, dann kann man sich allerdings nicht mehr
wundern, wenn das Urteil der dii minorum gentium über die deduk
tive Methode so überaus wegwerfend, ja verächtlich ausfällt!
Ricardo konnte diese Theorie von der Entstehung der
Monopol-Preisrente durch die Okkupation allen nutzbaren Landes
*) Fonteyrand beurteüt R. richtiger, wenn er in seiner Einführung zu
den (Euvres completes (Paris 1882, p. II) schreibt:
„II fait bon marche de tout cet art qui consiste ä disposer symetriquement
des syllogismes, a jongler avec des premisses et des consequences; il veut un
triomphe reel au bout de chaque triomphe de logique, et si sa plirase marche,
c’ est pour arriver et non pour faire voirenmarchant
sa grace et sa souplesse. En un mot, et jusque dans ses principes,
Ricardo ecrit sous la dictee des evenements et en vue d’un progres reel,
palpable.“

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